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Antonio de Literes

Acis und Galatea

Al Ayre Español, Eduardo López Banzo

DHM/BMG 05472 77522 2
(59 Min., 5/1999) 1 CD

Nein, singen der Hirte und die Meergöttin - nein, ich werde mich nicht beklagen: Denn Lieben, Fühlen, Leiden, Fürchten ist für den wahrhaft Liebenden am Ende eine angenehme Last. Das ist die Summe des Dramas von Acis und Galatea, und das ist die Essenz auch der 1708 in Madrid uraufgeführten Oper des spanischen Komponisten Antonio de Literes. Was sich zwischenzeitlich hier alles dem jungen Glück entgegen stellt, ist zwar der Rede nicht unbedingt wert, taugt aber für die Musik. Und die klingt in "Acis und Galatea" - vor allem dann, wenn man die bekannteren Versionen Lullys und Händels im Hinterkopf hat - ebenso ungewöhnlich wie reizvoll.
Kantig fasst Antonio de Literes die Sprache auf: In der Regel vertont er jede Silbe des Textes und lässt dazu außerdem immer wieder Kastagnetten klappern. Dadurch wirkt die Musik vor allem rhythmisch stark strukturiert. Und weil der Rhythmus das Geschehen geradezu voran peitscht, verweilt auch die Musik insgesamt nirgends im bloß Dekorativen, sondern ist selbst Motor und Element des Dramatischen.
Klar, dass die spanischen Musiker des Ensembles Al Ayre Español dem ein vitales Eigenleben zugestehen. Ob diese Freiheit so weit hätte gehen müssen, dass das Instrumentale dynamisch stark über das Gesungene dominiert, ist allerdings fraglich. Doch Mäkelei ist hier eigentlich fehl am Platz: Wer sich einmal eingelassen hat auf de Literes' farbigen Wirbel um hohes und niederes Paar sowie um Scharen von Hirten und Meer(jung)frauen, der hat mit derlei Einwänden nichts mehr am Hut, sondern zuckt rhythmisch mit dem Fuß und freut sich schließlich unbändig darüber, dass sich der vom Fels des Zyklopen fast schon erschlagene Acis am Ende doch noch als Fluss ins Meer der Geliebten verströmen darf.

Susanne Benda, 29.03.2001



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