home

N° 1236
15. - 21.01.2022

nächste Aktualisierung
am 22.01.2022



Responsive image
Magnus Lindberg

Aura, Engine

BBC Symphony Orchestra, London Sinfonietta, Oliver Knussen

Deutsche Grammophon 463 184-2
(51 Min., 12/1997, 11/1998) 1 CD

Keine Lust mehr auf Askese? Genug von Weberns Sekunden-Epen, Pärts Bußlitaneien und Nonos Schweigeprozessionen? Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Magnus Lindberg, der mit einer Extraportion "Orchester de luxe" wieder Farbe in Ihr Leben bringt. Viel Farbe. Sehr viel Farbe. Zu viel?
Ich rede hier nicht von dem zackig-stachligen Ensemblestück "Engine", das mittels eines von Lindberg selbst entwickelten Computer-Programms komponiert wurde und irgendwie auch genau so klingt. Der Clou dieser CD ist "Aura", ein vierteiliges, siebenunddreißig Minuten langes Orchesterwerk, das mit einer derart ungehemmten, geradezu byzantinischen Prachtentfaltung aufwartet, dass ein Paradeschinken wie Richard Strauss' "Josephs Legende" dagegen vergleichsweise protestantisch-schmallippig anmutet.
Für jedes Orchester muss es ein Festtag sein, dieses Stück aufzuführen: Glänzende Tutti en masse, trotzdem bekommt fast jeder sein Solo, und den einzelnen Gruppierungen wird ein Maximum an Ensemblequalität abverlangt. Auch für den unvoreingenommenen Hörer bietet "Aura" reichlich Futter: kaleidoskopisches Funkeln, heidnische Gewalt, weihevolle Choräle, und immer mal wieder reine Dur-Dreiklänge zum Ausruhen. Außerdem ist das Stück sinnfällig aufgebaut mit seinen ineinander übergehenden beiden Satzpaaren, von denen das zweite sowohl wesentlich kürzer als auch konzentrierter ist.
Die Frage ist nur, ob eine solche Dauer-Extase nach der anfänglichen Überwältigung letztlich nicht doch ein wenig ermüdet, und ob sich hinter der glänzenden Oberfläche auch wirklich genug Substanz befindet, die ein mehrmaliges Hören rechtfertigt. Ich habe "Aura" jetzt viermal gehört und schwanke noch, tendiere aber zu "ja", und plädiere außerdem dafür, dass sich jeder diesem sinfonischen Niagarafall einmal aussetzen sollte. Und wem es zuviel ist, der höre dann hinterher zur inneren Läuterung - ein paar Sekunden Webern.

Thomas Schulz, 23.11.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

[…] mehr


Abo

Top