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Magnus Lindberg

Cantigas, Cellokonzert, Parada, Fresco

Anssi Karttunen, Philharmonia, Esa-Pekka Salonen

Sony 89810
(79 Min., 11/2001) 1 CD

Eine weitere Schatulle voll glänzenden Geschmeides aus dem Hause Lindberg - alles Werke aus den letzten fünf Jahren und daher durchweg Erstveröffentlichungen auf CD. Freunde von Lindbergs Musik werden sofort merken: Der Komponist ist sich treu geblieben. Was ich zu den Einspielungen von "Aura" (siehe Rezension) sowie "Corrente" und "Joy" (siehe Rezension) angemerkt habe, trifft im Großen und Ganzen auch auf die hier versammelten Werke zu.
"Fresco" und das Cellokonzert sind die interessantesten Werke der CD. "Fresco" ist ein Klang- und Farbenrausch in typisch lindbergscher Manier, gewürzt jedoch mit scharfen Ingredienzien aus der frühen, avantgardistischen Phase des Komponisten. Das Cellokonzert unterscheidet sich durch seine schlankere, sehnigere Grundhaltung von den restlichen Werken und ist außergewöhnlich in der eigentlich un-konzertanten, weil relativ konfliktlosen Beziehung zwischen Soli und Tutti.
In "Cantigas" und vor allem "Parada", dem jüngsten Werk der CD, läuft Lindbergs Tonsprache jedoch Gefahr, ins Kulinarisch-Gemütliche abzugleiten und bestimmte beständig wiederkehrende melodische und harmonische Muster zu "Lindberg-Manierismen" werden zu lassen. Orgiastischer Wohlklang übertönt die durchaus vorhandene Substanz - gelegentlich klingt diese Musik wie eine Auferstehung der Spätromantik auf nicht-tonaler Basis.
Andererseits: Was will ich eigentlich? Meisterhafte Instrumentation, üppige Klanglichkeit, eine sofort erkennbare persönliche Tonsprache - all dies begegnet nicht allzu häufig in der zeitgenössischen Musik. Und sowohl Esa-Pekka Salonen als auch Anssi Karttunen werfen für die Musik ihres Freundes Lindberg ihr ganzes künstlerisches Gewicht in die Waagschale. Karttunens Interpretation des Cellokonzerts - inklusive improvisierter Kadenz, wie in alten Zeiten! - ist preiswürdig. Wer noch nichts von Lindberg kennt und auch nur eine CD mit seiner Musik besitzen will, ist hier an der richtigen Adresse.

Thomas Schulz, 25.04.2002



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