home

N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Responsive image
Claude Le Jeune

Chansons

Ensemble Clément-Janequin, Dominique Visse

harmonia mundi HMC 901863
(67 Min., 6/2004) 1 CD

"Wie kein anderer französischer Komponist hat Claude Le Jeune im Mittelpunkt der musikästhetischen Debatten seiner Zeit gestanden", erklärt uns der Wissenschaftler Jean-Yves Haymoz im informativen Beihefttext. Aber Theorie ist nicht alles: Le Jeune (c.1530 - 1600) wurde bei den Zeitgenossen beliebt, weil er seine Ideen in stilbildenden Kompositionen mustergültig umzusetzen verstand. Wie das ging, sei nicht schwer zu begreifen, ermuntert Hayoz den neugierigen Leser - im Grunde genüge es schon, "beim Hören der Musik genau den Text zu verfolgen." Schade nur, dass es sich bei besagtem Text um herzhaftes Altfranzösisch handelt: wunderschön historisch mit all seinen saftigen Vokalverbindungen und farbigen Konsonanten deklamiert, aber leider noch nicht einmal mit einer englischen Übersetzung versehen. Dies ist allerdings der einzige Wermutstropfen in einer Produktion, der es erstmals gelingt, ein ebenso gestochen scharfes wie farbiges Porträt des Renaissancemenschen Claude Le Jeune zu zeichnen. Seine Experimente mit merkwürdig chromatischen, antikisierenden Tonleitern und die Versuche, nach altgriechischer Art mit peinlich genau abgezählten Längen und Kürzen zu deklamieren, verbinden sich ganz natürlich mit dem bodenständigen bis frechen Chansonton. Das Ensemble Jannequin selbst wirkt klanglich homogener denn je, obwohl es durchaus sehr unterschiedliche Stimmfärbungen verbindet. Der Countertenor von Ensembleleiter Dominique Visse fällt als Energiequelle auf, aber nicht heraus und verbindet sich verblüffend mit dem edelzarten Timbre der Sopranistin Agnès Mellon. Die erlebt zurzeit übrigens ein verdientes Comeback. Dass auch Claude Le Jeune wieder verstärkt ins Gespräch kommt, sollte nach dieser CD erst recht sicher sein.

Carsten Niemann, 08.10.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Eigentlich plante Gustav Holst eine Pianistenkarriere, eine Nervenentzündung im rechten Arm zwang ihn jedoch dazu, sich umzuorientieren. So wandte er sich der Komposition zu und begann ein Kontrapunktstudium in Oxford. Sein Kollege Ralph Vaughan Williams hatte bereits zwei Jahre in London studiert und war anschließend nach Cambridge gegangen. 1895 trafen sich schließlich beide am Londoner Royal College of Music, daraus entstand eine der dauerhaftesten Freundschaften in der britischen […] mehr


Abo

Top