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René Leibowitz

Kammermusik

Ensemble Aisthesis, Walter Nußbaum

Divox CDX-29303
(71 Min.) 1 CD

René Leibowitz, der 1972 neunundfünfzigjährig verstarb, ist heute in erster Linie als Dirigent ein Begriff; seine Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien machte Anfang der sechziger Jahre Furore. Außerdem genoss Leibowitz als Kompositionslehrer einen hohen Ruf: Er war es, der Persönlichkeiten der Nachkriegsavantgarde wie Henze und Boulez in die Geheimnisse der Zwölftontechnik einwies. An der Dodekaphonie Schönbergscher Prägung hielt Leibowitz als Komponist auch dann fest, als sich längst Webern als Vorbildfigur etabliert hatte. Folgerichtig wurde sein Werk von der jüngeren Generation abgelehnt; außerdem tat Leibowitz selbst recht wenig für die Verbreitung seiner Musik, obwohl sie von Persönlichkeiten wie Adorno sehr geschätzt wurde.
Dank den Bemühungen Walter Nußbaums und des Ensembles Aisthesis kann man sich nun endlich ein Bild von dem Komponisten Leibowitz machen. Die vorgestellten Werke bewegen sich auf höchstem Niveau und lassen den Gedanken an Kapellmeistermusik niemals aufkommen. Allerdings verlangen sie, streng zwölftönig komponiert, vom Interpreten wie Hörer ein Maximum an Konzentration. Vielleicht dominiert das Vorbild Schönberg in einigen Passagen allzu stark, wenn sich auch Leibowitz´ Musik weit spielerischer und gelöster präsentiert als die des Wiener Meisters. Über die Interpretationen lässt sich nur Bestes berichten. Die Musiker nehmen Leibowitz´ Musik in jeder Note ernst und tragen mit höchstem Engagement zum Erfolg dieser überfälligen Wiederentdeckung bei.

Thomas Schulz, 31.03.1996



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