home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Es ist schon ein Jammer, dass so wenige Menschen dieses publikumswirksame Werk kennen lernen werden. Wer zieht schließlich schon die vergessene Oper eines selbst in seinem Heimatland Finnland reichlich unbekannten Komponisten aus dem Regal? Ob die in den Zwanziger Jahren entstandene und erst 2004 uraufgeführte Oper auf der Bühne funktionieren würde, ist dabei gar nicht einmal ausgemacht. Denn die visionäre Ader von Armas Launas (1884 – 1959), der sich seine Libretti selbst schrieb, liegt nicht zuletzt in seiner filmischen Art zu denken: Orchestersatz wie Szenenangaben beschwören eine Weite der Tableaus, die das Theater nur verkleinern würde. Kein Zufall ist es, dass zwei Szenen der Oper ausdrücklich auch als Filmvorführung ausführbar sind und dass Launas am Ende seines Lebens tatsächlich noch eine Fernsehoper schrieb. Den Weg erfolgreicher Hollywoodkomponisten, Wagner, Puccini und Richard Strauss zu studieren und auch einmal zu montieren, aber nie bloß zu kopieren - diesen Weg ist Launas jedenfalls schon vor dem Siegeszug des Films gegangen. Grundlage seiner musikalischen Sprache waren aber immer auch Ort und Milieu, in denen seine Opern spielen. So wie Launas in Nomadenopern mit authentischer arabischer Musik experimentierte, fand er in Aslak Hetta einen mehr als bloß folkloristischen finnischen Ton. Die Oper schildert den Überfall religiös fanatisierter saamischer Freiheitskämpfer auf ein norwegisches Dorf im Jahr 1852 und verknüpft dies mit einer tragischen Liebesgeschichte. Launas integrierte dafür die mystisch kreisenden fünftönigen Weisen saamischer Vokalmusik und die markanten Rhythmen saamischer Tanzmusik so natürlich in Aufbau, Sprach- und Melodiefluss, dass das Werk trotz gewaltiger Spannungsbögen und unablässig neu aufgeladener Emotionen nie tümelnd oder überhitzt wirkt. Die Solisten mit ihren durchweg dramatisch höchst durchschlagskräftigen und dabei meist sehr klar geführten Stimmen sowie die nicht minder überzeugenden Chöre tun das Ihre, um diesem unterschätzten Komponisten eine neue Chance zu geben.

Carsten Niemann, 02.07.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top