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Theodor Kirchner

Klavierwerke

David Ianni

Marco Polo/Naxos 8.225062
(71 Min., 4/1998) 1 CD

Wir können wirklich jedem Interpreten danken, der an den Rändern oder in der zweiten Reihe nach vergessenen Werken und Komponisten sucht. So David Ianni, der sich Theodor Kirchners annimmt. Unser Verständnis einer Epoche wird - und daran ist der immer enger gewordene Kanon jener klassischen Werke schuld, die wieder und wieder eingespielt werden - immer nur von wenigen vielbestiegenen Gipfeln bestimmt. Aber wenn man einem Kind den Begriff “Berg” immer am Beispiel des Mount Everest erklärt, lässt es das Sauerland bald ganz liegen. Und Kirchner ist entschieden interessanter als das Sauerland.
In seinem langen Leben (1823- 1903) verkehrte Kirchner mit allen Großen, mit Schumann, Brahms und Wagner. Da erwartet man epigonale Musik. Aber das beliebte Spiel “Erinnert das nicht an?”, bei vielen Werken des späten 19. Jahrhunderts so vergnüglich, funktioniert hier nicht. Denn Kirchner, so erfolglos, dass seine berühmteren Kollegen 1884 für ihn Geld sammelten, war eigenwillig, schrieb schwierige, ja ungefällige Musik. Gerade in der Verdüsterung mancher Sätze ist eine eckige, grüblerische persönliche Sprache vernehmbar. David Ianni versteht sie, und es gelingt ihm, sehr für Kirchner einzunehmen.

Matthias Kornemann, 31.03.1999



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