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Erich Wolfgang Korngold

Sämtliche Klaviersonaten, Vier kleine Karikaturen für Kinder

Michael Schäfer

Calig/Koch CAL 50995
(79 Min., 1/1997)

Vielleicht ist Erich Wolfgang Korngolds Schicksal die typische Tragödie des Frühvollendeten, dessen Reife nie die Höhe seines Vorfrühlings erreichen sollte – auch Hofmannsthal war womöglich niemals mehr so tief wie als alt - und weltkluger Loris mit sechzehn. Wenn man die beiden ersten Klaviersonaten hört, mag man es kaum glauben, dass Korngold sie mit elf bzw. dreizehn Jahren komponierte – eine derart komplexe, harmonisch-psychologische Reife spricht aus dieser Musik.
Die Fin-de-siècle-Kultur, die solche Empfindungsfähigkeit gebären konnte, muss uns fast unheimlich sein. Doch wir können beruhigt sein – solche ein wenig morbiden, frühverdorrenden Salonblüten werden in einer Zeit, deren Scheußlichkeit wohl computerprogrammierende Intelligenz, aber kaum Sensibilität hervorzubringen scheint, wohl nie wieder wachsen.
Zum Trost bietet das Label Calig jetzt auf einer CD fast achtzig Minuten Wiener Vorfrühling mit allen drei Sonaten Korngolds und Ersteinspielungen kleinerer Stücke. Michael Schäfer verleiht der Musik mehr Blut und Kraft, als vielleicht darinsteckt, und er vertüftelt sich nicht in den überladenen Harmonien. Das Ergebnis ist rund, schlüssig und durchweg überzeugend. Schön, wenn sich der Katalog mit Produktionen füllt, die daran erinnern, dass Korngold mehr schuf als die "Tote Stadt" und Hollywood-Filmmusiken.

Matthias Kornemann, 31.01.1998



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