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Joseph Martin Kraus

Flötenquintett, Streichquartette g-Moll, D-Dur

Martin Sandhoff, Schuppanzigh Quartett

Capriccio/Delta 67 066
(58 Min., 4/2001) 1 CD

"Ich liebe Sie ungetheilt, bester", gestand der schwedische Kapellmeister Joseph Martin Kraus (1756 - 1792) dem Wiener Musikliebhaber Johann Samuel Liedemann: "Möge es der Himmel so fügen, dass wir einst ruhig Hand in Hand einer andern bessern Welt zuwandern!" Gern wüsste man mehr über diese Beziehung. Doch Kraus‘ erstem Biografen Silverstolpe war die Sache offenbar zu peinlich: er hat die meisten Briefe des Komponisten an Liedemann vernichtet. Ein schönes Dokument ließ er wenigstens unangetastet: jenes Flötenquintett, das Kraus dem Freund nach lange überzogenem Dienst- und Studienaufenthalt in Wien zum Abschied schenkte. Das Stück gilt als eines seiner Besten - und das will etwas heißen bei einem Mann, den Haydn zu den "größten Genies" zählte, die er kennen gelernt habe. Der Beginn zwingt eine reiche Fülle von kontrastreichen Motiven mühelos in einen Satz von beethovenschem Ausmaß. Auch der Mittelsatz ist völlig eigen in seiner oft seltsam kargen und dabei umso intensiver berührenden Melodik. Die beiden Streichquartette, die in Einzelzügen wie der Gegenüberstellung archaischem Fugen- und zukunftsweisendem Romanzenmodell sogar noch experimenteller wirken, machen Kraus kaum weniger Ehre. Die Aufnahme knüpft im Ton deutlich hörbar an die Einspielungen von Kraus‘ sinfonischem Schaffen an, die Concerto Köln bereits mit großem Erfolg beim gleichen Label herausgebracht hat. In Präzision, Feuer, differenziertem Ausdruck und Werkauswahl übertreffen Sandhoff und das Schuppanzigh Quartett besonders auch die anderen Interpretationen von Kraus‘ Kammermusik auf historischen Instrumenten, die in der schwedischen Reihe "Musica Sveciae" herausgekommen sind. Das Genie also ist entdeckt - nur den Liebenden mag uns eine Einspielung mit etwas wärmerer Tongebung vielleicht noch näher bringen.

Carsten Niemann, 10.01.2004



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