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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 00 (Studiensinfonie), "Volksfest"-Finale zur Sinfonie Nr. 4

Royal Scottish National Orchestra, Georg Tintner

Naxos 8.554432
(56 Min., 9/1998) 1 CD

Zwei schlagende Beispiele für Bruckner, den "Spätzünder": Seine frühe Studiensinfonie, die postum den schönen Namen "Die Doppelnullte" erhielt, zeigt den Neununddreißigjährigen auf dem langsamen, aber sicheren Weg zu sich selbst. Gelegentlich, vor allem im Scherzo und in einigen Partien des Andante, kündigt sich zwar schon der reife Bruckner an, doch vieles klingt noch recht akademisch, wie Schumann oder Beethoven aus zweiter Hand, technisch gekonnt zwar, doch noch unselbstständig. Nicht umsonst legte Bruckner seine Schülerarbeit unaufgeführt beiseite.
Georg Tintner unternimmt nicht den Versuch, dieses Werk zu einem "echten Bruckner" aufzurüsten, sondern unterstreicht mit zügigen Tempi und sehr diskreter Gestaltung vor allem der Dynamik das klassische Element der Sinfonie.
Der "Volksfest" betitelte Satz ist eine Hinterlassenschaft von Bruckners zahllosen Umarbeitungen seiner Werke. Er war ursprünglich als Finale zur Vierten Sinfonie entstanden, musste später jedoch der endgültigen Fassung weichen, die heute meist aufgeführt wird. Und wenn Bruckner auch gelegentlich zu viel an seinen Sinfonien herumdokterte: In diesem Falle hat er gut daran getan. Dieses "Volksfest" ist nicht festlich und schon gar nicht volkstümlich, sondern langatmig und zerfahren, kommt nicht zum Punkt und entwickelt trotz reichlich Lautstärke wenig Höhepunkte. Mit diesem Finale wäre Bruckners Vierte wohl kaum so populär geworden wie sie jetzt ist. Trotzdem: Für Freunde Bruckners ist die Bekanntschaft mit dem Werk ein Gewinn.

Thomas Schulz, 13.04.2000



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