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Ernst Krenek

Violinkonzerte Nr. 1 und 2, Doppelkonzert

Peter Rosenberg, Gabriel Rosenberg, Bamberger Symphoniker, Florian Merz

Koch-Schwann 0 99923 64082 0
(73 Min., 1/1998) 1 CD

Er wurde "Ein-Mann-Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts" genannt, und dies mit gewissem Recht, denn kaum ein Komponist durchlief so viele Stilphasen, und wenige wurden älter als der 1991 mit einundneunzig Jahren verstorbene Ernst Krenek. Der Schreker-Schüler war nacheinander Enfant terrible, Neoklassizist, Neo-Romantiker, Zwölftöner, Serialist. Später verarbeitet er auch Elemente der Aleatorik und der Elektronik. Trotzdem ist er heute eher als Figur der Zeitgeschichte geläufig denn als Komponist; der Titel seines großen Erfolges der zwanziger Jahre, der Oper "Johnny spielt auf", ist bekannter als die dazu gehörige Musik.
Hört man die auf dieser CD versammelten Konzerte, wird vielleicht deutlich, warum Kreneks Musik nie die Beliebtheit der Werke Alban Bergs oder Hindemiths erringen konnte. Sowohl das Erste Violinkonzert, im rotzig-lakonischen Stil der zwanziger Jahre komponiert, als auch das in freier Zwölftontechnik gearbeitete Doppelkonzert für Geige und Klavier verharren in einer gewissen Reserve, einer bei aller offenkundigen kompositorischen Qualität charakteristischen Sprödigkeit, die es dem Hörer nicht nur schwer macht, die Persönlichkeit hinter den Noten zu erahnen, sondern auch, überhaupt auf diese Musik zu reagieren.
Streng und anspruchsvoll gibt sich auch das 1954 vollendete, ebenfalls zwölftönige Zweite Violinkonzert, doch die Dramatik seiner Tonsprache, vor allem in der brüchig-skurrilen Nachtmusik des zweiten Satzes, erleichtert den Zugang zu dieser ernsten, tragisch grundierten Musik. Hier gibt es für abenteuerlustige Geiger ein neues Repertoirestück zu entdecken. Peter Rosenberg absolviert den schweren Solopart mit Bravour und geistiger Souveränität - ebenso wie die anderen beiden Werke.
Achtung: Wer Titel und Spieldauer der einzelnen Sätze wissen möchte, der sollte mit dem Kauf der CD noch ein paar Monate warten, denn diese Angaben fehlen im Beiheft; in der zweiten Auflage werden sie nachgeliefert.

Thomas Schulz, 09.08.2001



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