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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Franz Lachner

Sängerfahrt op. 33 und andere Lieder nach Gedichten von Heinrich Heine

Rufus Müller, Christoph Hammer

Oehms Classics/ Codaex OC 328
(63 Min., 11/2003) 1 CD

"Im wunderschönen Monat Mai", "Du schönes Fischermädchen" - ein ehrgeiziges Unterfangen ist es schon, diese allzu bekannten Verse nochmals singend auf Tonträger zu bannen. Aber es geht noch ehrgeiziger: Denn nicht die berühmten Heine-Vertonungen Schumanns und Schuberts lagen bei dieser Aufnahme auf den Notenpulten, sondern die von Schuberts Zeitgenossen und Freund Franz Lachner (1803 - 1890). Darum muss Rufus Müller nicht nur gegen die im Kopfe jedes Liederfreundes spukenden Stimmen berühmter Schubert- und Schumann-Interpreten ansingen, sondern auch für die Dauer seines Vortrags beiden Meistern keck ins scheinbar letzte Wort zu Heine fahren. Das Kunststück gelingt tatsächlich, auch wenn es zweier oder dreier Hördurchgänge bedarf, bis Schubert und Schumann im Hinterkopf ihre Stimmen dämpfen. Was man nun zu hören bekommt, lohnt der Mühe sehr wohl: Lachners Melodien atmen eine keineswegs oberflächliche Leichtigkeit, die sich auf ihre eigene Art überzeugend zu den Versen des Modedichters schickt, der Heine immerhin auch war. Wenn es schwache Momente gibt, dann machen sie sich allenfalls in Lachners Vorliebe bemerkbar, einzelne Satzteile unnötig oft zu wiederholen. Ohne ausgesprochenen Sinn für die Untertöne von Heines Dichtung und die Fähigkeit zu nuancenreicher Deklamation bzw. farbenreicher Begleitung wäre dem seinerzeit ausgesprochen populären Lachner dabei dennoch nicht beizukommen, doch Rufus Müller und Christoph Hammer besitzen beides. Mehr noch: Müllers baritonal gefärbter Tenor mit der weich und sanft angesteuerten vollen Höhe verbindet - von sehr wenigen gröber geschnitzten Fiorituren abgesehen - rein stimmlich charaktervolle Eleganz mit berührender Tiefe. Hammer wiederum ist ein ebenso packender Erzähler wie fantasievoller und feinsinniger Stimmungsmaler. Dank der mutigen Respektlosigkeit Müllers und Hammers vor den beiden übergroßen "S" lernen wir so eine heitere Romantik kennen, die deutlich mehr bietet als bloß behaglichen Biedermeier.

Carsten Niemann, 17.07.2004



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