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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



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Alban Berg, Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Sebastian Bach u.a.

The Very First Recordings Of Glenn Gould (1947-1952)

Glenn Gould, Alberto Guerrero, Albert Pratz

Sony 510195-2
(55 Min., 11/1953, 6/1947, 3/1948) 1 CD

Glenn Goulds legendäre Schallplattenexistenz begann mit der Aufnahme der "Goldberg-Variationen" im New Yorker Columbia-Studio. Doch es gab eine Platte davor, erschienen bei dem kleinen kanadischen Label Hallmark, nun wiederveröffentlicht bei Sony: Für die A-Seite durfte Gould ein Stück seiner Wahl einspielen, auf der B-Seite begleitete er den Geiger Albert Pratz bei Bearbeitungen dreier russischer Komponisten: Schostakowitsch ("Drei fantastische Tänze"), Tanejew ("Die Geburt der Harfe") und Prokofjew ("Die Winterfee"). Und gelegentlich ist herauszuhören, wie der junge Pianist hier zwischen die stark im Vordergrund stehende Geige seine eigenen Akzente setzt.
Goulds Wahl für die A-Seite fiel auf die Klaviersonate von Alban Berg, ein Stück, das er auch später immer wieder gern in seine Konzertprogramme aufgenommen und auch ein zweites Mal auf Schallplatte für Columbia eingespielt hat - da brauchte er gleich 1,43 Minuten mehr (siehe Rezension). Hier, in der älteren Aufnahme ist Goulds Anschlag noch zarter, lyrischer, die Kontraste auch im Tempo nicht so ausgeprägt wie fünf Jahre später. Ja, Gould zeigt sich hier - vergleichsweise - geradezu als Romantiker.
Im Folgenden können wir einen Blick in Goulds Klavierstunden werfen. Mit seinem Lehrer Alberto Guerrero hat Gould wohl zu Übungszwecken ein paar Aufnahmen von vierhändigen Mozart-Werken auf 78er Acetat-Platten gemacht. Da war er 14 bis 15 Jahre alt, und es fällt schwer, hier mehr als eine Begabung festzustellen. Auch mag man Unterschiede zwischen Lehrer und Schüler heraushören, in dieser Hinsicht interessanter ist aber die angefügte Aufnahme Guerreros von Bachs "Italienischem Konzert". Sie zeigt, wie gegensätzlich die musikalischen Auffassungen von Lehrer und Schüler waren und wie sehr Gould sich an Guerrero reiben konnte, von dem er sagte, die Stunden seien "in erster Linie eine Übung im Argumentieren gewesen". Guerreros Rubati erinnern tatsächlich eher an die Exzentrizitäten eines Cortot als an das geradlinige, analytisch sezierende Spiel des Schülers. Trotzdem: Sein Spiel ist von einer unmittelbaren Sinnlichkeit, eine Eigenschaft, die Gould später geradezu vermieden hat.

Matthias Reisner, 26.01.2003



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