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Georg Friedrich Händel, Johannes Brahms, Francis Poulenc, Samuel Barber u.a.

Carnegie Hall-Konzertdebüt, Price rediscovered

Leontyne Price

RCA/BMG 0902663908-2
(66 Min., 2/1965) 1 CD

Dieser hiermit erstmals veröffentlichte Live-Mitschnitt auf der Höhe ihrer Karriere, ist ein Dokument der Universalität und Stimmkraft der ersten schwarzen "Diva" in der Geschichte der New Yorker Met: der 1927 in Laurel, Mississippi, geborenen Leontyne Price. Bevor sie an der Met jedoch 1961 zum ersten Mal auftreten konnte, feierte sie bereits riesige Erfolge an den großen europäischen Opernhäusern, ganz besonders als “Aida”, eine Rolle, die mit ihrem Namen untrennbar verbunden bleibt.
Nicht in ihren berühmten Verdi-Interpretationen ist ihre glühende, kraftvoll-sensible Stimme bei diesem Carnegie Hall-Debüt von 1965 zu hören, sondern in einem unkonventionellen Programm von Händel über Poulenc bis hin zu zeitgenössischen amerikanischen Komponisten. Ein Höhepunkt und zugleich eine Offenbarung sind Johannes Brahms’ acht “Zigeunerlieder” Op. 103, die vor Charme sprühen, die sie mit enormer Spannung und einem ihnen sehr zuträglichen Impetus vorträgt. Und darüber hinaus mit einem Sinn für Worte und Töne, der von einer der größten Künstlerinnen überhaupt zeugt.
Überragend ist Leontyne Price weiterhin in den vier abschließenden Spirituals. Das Publikum konnte ihr noch vier Zugaben abringen, unter anderem Gershwins “Summertime” und Puccinis “Vissi d’arte”.
Zu Leontyne Prices Gunsten spricht vor allem eine selten zu hörende Unmittelbarkeit und ihr Enthusiasmus, der gleichsam spielend über ihre manchmal unorthodoxe Aussprache und ihre ungenauen Verzierungen hinwegtröstet. Leontyne Price ist im Ganzen zu amerikanisch-positiv, um als Tragödin in die Geschichte des Gesangs einzugehen. Aber sie hat das, was man Tiefe nennt - verbunden mit Ausdrucksfähigkeit und Intelligenz.

Cornelia Wieschalla, 08.03.2003



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