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Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini

Una furtiva lagrima

Juan Diego Flórez, Sinfonieorchester Giuseppe Verdi Mailand, Chor Giuseppe Verdi Mailand, Riccardo Frizza

Decca/Universal 473 440-2
(47 Min., 9/2002, 11/2002) 1 CD

Als Juan Diego Flórez Ende des vergangenen Jahres an der New Yorker Metropolitan Opera die Partie des Ramiro in “La Cenerentola” sang, versetzte er das Publikum in helles Entzücken. Das Magazin “Opera News” sprach von der “Ankunft eines neuen Helden im Pantheon der Oper” und hob die Nuancen des Leisen hervor: wie das “federleichte Arpeggio in der Phrase ,su quel viso'”. Es wäre, sollte es zutreffen, ein Paradigmenwechsel: vielleicht nicht der Abschied vom tenoralen Novus Hercules, aber doch die Rückkehr des romantischen Tenors. Unter dem Titel von Nemorinos Romanze “Una furtiva lagrima” (“L’Elisir d’amore”) versammelt die zweite Solo-CD des jungen Peruaners Arien und Szenen aus acht Partien der romantischen Belcanto-Oper.
Wie schon bei seinem zaubrischen Rossini-Recital erfüllt er die vier grundlegenden Ansprüche des Belcanto: Schönheit des Tons, der trotz aller Brillanz nicht eng klingt; Legato auf der Basis des Portamento; Messa di voce, als Mittel des dynamischen Verzierens eingesetzt; die Agilità bei der Ausführung von Gruppetti, Ziernoten und Skalen; endlich die Leichtigkeit des Ansatzes als Voraussetzung für einen rhythmisch-pulsierenden Vortrag (etwa in der Szene aus Donizettis "Elisabetta").
Wer den Nachweis führen will, dass brillante hohe Töne integraler Bestandteil guten Singens sind, kann Flórez als klingenden Kronzeugen anführen: Er bildet seine Acuti - »c«, »des« und »d« - mit jener mühelosen Verve, die seinem ihm stilistisch mindestens ebenbürtigen Kollegen Raúl Giménez fehlt, und er klingt dabei kaum je so angespannt wie etwa William Matteuzzi. Sie federn ab, als wäre sein Zwerchfell ein Trampolin. So wird Tonios Szene aus “La Fille du régiment”, mit der sich Big P. vor drei Jahrzehnten als “König des hohen C” inthronisierte, auch bei ihm zu einem “jour de fête”.
Anders aber als der junge Pavarotti bleibt Flórez hoffentlich noch lange auf dem Weg des Tenore di grazia, der Reprisen von Phrasen dynamisch koloriert oder Endnoten auf einem seidenzarten Fil di voce ausklingen lässt. Da fühlt man sich zuweilen an Sänger wie Tito Schipa oder Cesare Valletti erinnert. Vorbildlich, dass die Szenen aus Bellinis “I Capuleti e i Montecchi”, “La Sonnambula” und “I Puritani” im Kontext geboten werden, auch wenn die Partner nicht ebenbürtig sind.

Jürgen Kesting, 22.03.2003



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