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Henryk Wieniawski, Pablo de Sarasate, Sergei Rachmaninow, Eugène Ysaÿe, Frédéric Chopin u.a.

Virtuose romantische Encores

Nikolaj Znaider, Daniel Gortler

RCA Red Seal/BMG 82876 504702-2
(59 Min., 6/2002) 1 CD

Zugaberitis ist eine ansteckende Krankheit. Seit es die Schallplatte gibt, leiden so gut wie alle Virtuosen darunter und geben den Virus immer weiter. Das Gebrechen besteht nicht darin, Zugaben zu spielen, sondern sie - kaum dass man einen gewissen diskografischen Erfolg verbucht hat - aufzunehmen. Jetzt kommt der als Sohn polnisch-israelischer Eltern in Dänemark geborene, noch nicht 30-jährige Geiger Nikolaj Znaider mit einer “Encore”-Sammlung heraus, aber siehe da: Der bunte Strauß von Virtuosenstückchen fällt aus dem Rahmen - und das schon durch sein Programm. Neben bekanntem Süßwerk wie Rachmaninows “Vocalise”, transkribierten Chopin-Nocturnes und der hitverdächtigen “Estrellita” von Manuel Ponce schlägt Znaider seine Pflöcke in interessanten Regionen ein, wodurch das abgesteckte Terrain plötzlich zur vielfältigen kleinen Landschaft wird. So überrascht eine leibhaftige, durchaus nicht zur leichten Kost zählende Solosonate von Eugène Ysaye ebenso wie das gleichfalls für Violine solo geschriebene Stück Recitativo & Scherzo Caprice op.4 von Fritz Kreisler. Der Wiener war zwar ein Schmonzettenfabrikant, doch dieses Stück komponierte er im Stil des bewunderten Kollegen Ysaye für dessen Finger: Spätromantische Tiefe trifft glitzernde Virtuosität, besserer Caféhausstil gerät an harmonische und formale Grenzen. Znaider zeigt sich dieser Vielfalt an emotionalen Schichten absolut gewachsen. Bei ihm werden so genannten “Zugaben” zur ernsten Kammermusik; jede Note ist von echtem künstlerischem Mitteilungsdrang geprägt. Kurzum: Die Werke haben Znaider und er hat uns etwas zu sagen.

Oliver Buslau, 12.04.2003



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