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Georg Friedrich Händel, Johann Adolph Hasse

Arien

Vivica Genaux, Les Violons du Roy, Bernard Labadie

Virgin/EMI 545 737-2
(72 Min., 3/2005) 1 CD

Der bekannteste aller Kastraten ist zwar Farinelli. Aber war er auch der größte? Johann Adolf Hasse, der für alle großen Sänger seiner Zeit komponierte, war jedenfalls der Ansicht, man kenne die wahre Kunst des Gesangs nicht, wenn man Giovanni Carestini noch nicht gehört habe. Kein Wunder, dass sich Vivica Genaux nach ihrem Farinelli-Album für ihr neues CD-Projekt vor allem Arien herausgesucht hat, die Händel und Hasse für Carestini schrieben. Denn wenige Frauenstimmen und wohl kein Countertenor wären besser geeignet für das Repertoire der Kastraten, als Vivica Genaux’ Mezzosopran mit seiner beweglichen, elegant strahlenden Höhe und der sinnlichen, aber klar artikulierten Tiefe. Carestinis Partien scheinen ihr sogar noch besser zu liegen als diejenigen Farinellis. Die Arien klingen weicher und ausgeglichener, aber auch Majestät, Geschmack und Energie, die Carestinis Ausdruck kennzeichneten, spiegelt Genaux’ Vortrag wieder. Allerdings sagte man dem Kastraten auch nach, mit schlichten melodischen Figuren feinste emotionale Nuancen ausgedrückt zu haben. Diese Subtilität, mit denen besonders Hasses ausgedehnte, harmonisch aber schlichte Arien rechnen, ist nicht Vivica Genaux’ größte Stäke. Gleich Farinelli scheint ihre Aufmerksamkeit immer auch der lupenreinen Technik zu gehören. Einen Ausgleich schaffen aber die Violons du Roy unter Bernard Labadie: Mit den historischen Bögen, mit denen die Streicher ihre modernen Instrumenten traktieren, gelingen hier Feinheiten der Phrasierung, die vielleicht doch einen kleinen Abglanz von der Kunst eines Carestini bieten.

Carsten Niemann, 27.10.2006



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