Responsive image
Ludwig van Beethoven, Nikolai Medtner, Domenico Scarlatti u.a.

Early Recordings

Emil Gilels

Deutsche Grammophon/Universal
(98 Min., 1939 - 1955) 2 CDs

Emil Gilels - war das nicht dieser Beethoven- und Schubert-Grübler, eine Art Alfred Brendel seiner Tage? Nein, das war er wohl nicht. Wir sind heute, da uns die Lang-Langs, die Kissins und Volodos’ nur so um die Ohren gehauen werden, geneigt zu glauben, exzeptionelle Virtuosität sei eine Erfindung unserer Zeit. Wir vergessen, dass ein Künstler wie Emil Gilels, geboren 1916 in Odessa, der schon als Junge sogar Arthur Rubinstein das Fürchten lehrte, mit seiner stupenden technischen Brillanz eine Stilsicherheit und interpretatorische Souveränität zu verbinden imstande war, die ihn eine Beethovensonate mit derselben Selbstverständlichkeit wahrhaft unter die Haut gehend darbieten ließ wie ein Virtuosenstück von Carl Tausig. Dies ist das Thema des vorliegenden Doppelalbums mit "frühen" Aufnahmen, die sich bis ins Jahr 1955 erstrecken. Die enthaltene Beethoven-Sonate in C-Dur op. 2 Nr. 3 ist wahrhaft feurig interpretiert, virtuos ohne Netz und doppelten Boden, aber im Kopfsatz gleichzeitig so rau, beinahe zornig, dass der Feuerkopf Beethoven in Lebensgröße vor dem Hörer zu erstehen scheint. Die ihr gegenübergestellte Sonate Nr. 3 g-Moll op. 22 Nikolai Medtners lässt das Klavier zum Orchester werden; auf dem Hintergrund ihrer spätromantischen Klanglichkeit entfaltet Gilels ein faszinierendes Spektrum pianistischer Ausdrucksnuancen. Die andere CD enthält einen bunten Strauß "kleinerer" Stücke von der Loeillet-Giga in einer Bearbeitung von Godowksy über Schumanns Toccata op. 7 bis hin zu einer Reihe von Scarlatti-Sonaten. Hier begeistert von der ersten bis zur letzten Minute die unermüdliche interpretatorische Energie, mit der Gilels jede musikalische Wendung zum intensiven Hörerlebnis gestaltet. Diese Sammlung ist ein Muss für jeden Freund historischer Klavierkunst.

Michael Wersin, 05.01.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top