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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 3

London Classical Players, Roger Norrington

EMI 5 56167 2
(57 Min.) 1 CD

Nun servieren uns Roger Norrington und seine London Classical Players auch den „authentischen“ Bruckner. Doch nicht das ungewohnte Klangbild erzeugt beim Kopfsatz der Dritten (in der Urfassung) zweifelndes Erstaunen, sondern die Stromlinien-Interpretation. Ob die noch am Konzept der Historizität teilhat, wage ich zu bezweifeln.
Bereits beim eröffnenden Streichergespinst vernimmt man, wie das Material durch das extrem rasche Tempo seine Kohärenz verliert, ja geradezu lächerlich wirkt: Explodierendes Uhrwerk statt Urnebel. Auch dem massigen Hauptthema bekommt die Hast schlecht – bei Norrington lernen die Marmorblöcke laufen. Wo die leuchtenden Bögen des Seitenthemas warten, wird vibratoarm und schütter übergestrichen. Und das scheint eher ästhetisches als bloß besetzungstechnisches Resultat. Nirgends wird fühlbarer, wie sehr die dünne Eile dem Charakter dieses Satzes widerstrebt.
In den übrigen Sätzen sind die Tempi zügig, aber angemessen, so daß die Vorzüge der proportional aufgewerteten Bläser ungleich mehr hervorstechen. Flotte Verflüssigung gelingt hier weniger brachial – und wie Norrington die Polka im Finale auf Trab bringt, das ist lustig und bestechend zugleich. Übergeht man also das lieblose „Turbo“-Experiment des ersten Satzes, kann man in der akribisch umgesetzten Partitur überall durchaus neue Perspektiven in harter, unvernebelter Beleuchtung entdecken.

Matthias Kornemann, 30.06.1996



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