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François-Adrien Boieldieu, Gaetano Donizetti, Charles Gounod, Jules Massenet, Jacques Offenbach, Gioachino Rossini u.a.

Französische Opernarien

Natalie Dessay

Virgin/EMI 545 506-2
(67 Min., 7/2003, 8/2003) 1 CD

Das Recital beginnt, wie wir es von Natalie Dessay erwarten: "Suis-je gentille ainsi?" Und die Antwort Brétignys könnte auch die unsrige sein: "Adorable! Divine!" Dessay als Massenets Manon, das ist so mädchenhaft-unschuldig wie raffiniert-lasziv. Doppelbödig: Genau das zeichnet fast alle Nummern auf diesem Album französischer Opernarien aus. Einzige Ausnahme ist Juliettes unvermeidlicher Walzer "Ah! Je veux vivre", aus dem selbst die Dessay nichts anderes als einen überstrapazierten (wenn auch tadellos gesungenen) "Hit Tune" machen kann. Aber Track 10 können wir überspringen und alles andere dafür zwei Mal hören.
Dessay entspricht, und das hat sie den meisten Sängerinnen ihres Fachs voraus (man denke an Sumi Jo - oder lieber nicht), in keinem Augenblick dem Klischee des zwitschernden Koloraturvögelchens, das zwar virtuose Spitzentöne produziert und mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks funktioniert, dafür aber herzlich kalt lässt und das Menschliche, die "Wahrheit" einer Figur hinter der Akrobatik vernachlässigt. Dessay ist immer beides, glasklare Perfektionistin - und Gestalterin von lebendigen Charakteren, als Mignon ebenso wie als Madame de Ligneul in Boieldieus "La Fête du village voisin", als Edwige in Offenbachs Rarität "Robinson Crusoë", als Comtesse in Rossinis "Le Comte Ory" oder als Marie in Donizettis "La Fille du régiment". Und keine, wirklich keine wird so schön wahnsinnig wie Natalie Dessay als Ophelia!

Jochen Breiholz, 31.01.2004



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