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Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Richard Strauss, Edvard Grieg, Jean Sibelius, Wolfgang Amadeus Mozart, Jules Massenet, Giacomo Puccini u.a.

Jussi Björling ReDISCOVERED, Recital vom 24. September 1955

Jussi Björling, Frederick Schauwecker

RCA/BMG 82876 53379-2
(79 Min., 24/9/1955)

Den mit dem Titel "BJÖRLING reDISCOVERED" betriebene Etikettenschwindel löst das Booklet verlegen auf. 16 der 26 Titel, die der schwedische Tenor am 24. September 1955 in der Carnegie Hall sang, waren schon einmal von RCA (RB 16011) veröffentlicht worden. In dem mit Liedern von Beethoven, Schubert und Strauss, einem Opern-Allerlei, skandinavischen Liedern und Vielliebchen von Tosti bunt, um nicht zu sagen wahllos gemischten Recital, ist schwerlich eine künstlerische Programmatik zu entdecken.
Die Stimme des 44-Jährigen besaß nicht mehr den knabenhaft-silbrigen Klang, den die frühe Aufnahme von Beethovens "Adelaide" (1939) bewahrte. Sie war kräftiger geworden, körniger in ihrer Textur, der Vortrag dringlicher, aber auch angestrengter. In Arien wie "Amor ti vieta" ("Fedora"), im "Addio alla madre" ("Cavalleria"), in Josés Blumenarie und in "E lucevan le stelle" ("Tosca") ist nicht unbedingt der tenore trionfante wieder zu entdecken; und mit der auf der LP nicht berücksichtigten Arie des Rodolfo wird der Reputation des Sängers eher Schaden zugefügt. Auch mit Don Ottavios energisch gesungener Arie "Il mio tesoro" vermag Björling kaum zu überzeugen. Im langen Koloraturteil zwischen den Strophen muss er zweimal Atem fassen.
Wer den Lied-Stilisten sucht, sollte nicht Schuberts "Ständchen" oder "Die böse Farbe" hören, sondern die sechs elegisch-wehmütig getönten skandinavischen Lieder wie Griegs "Traum" oder C. L. Sjöbergs "Tornera" oder Tostis hinreißend gesungenes Lied "Ideale" mit seinem wunderbaren Pianissimo-Schluss, in den leider instinktloser Beifall hineinplatzt. Es sind kleine, feine Details - geschmeidig ausgeführte Verzierungen, sanfte dynamische Abtönungen etwa in der Traumerzählung des Des Grieux ("Manon") -, in denen die Schönheit der Stimme und das technische Können aufblitzen. Doch ein Glanzstück in der Björling-Diskografie ist dieses Recital nicht. Stammte es von einem anderen Sänger, würde man vielleicht sagen: "Sehr schön - aber ein Björling ist er nicht."

Jürgen Kesting, 31.01.2004



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