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Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Ferruccio Busoni

Busoni und seine Schüler

Ferruccio Busoni, Egon Petri, Michael von Zadora, Edward Weiss

Naxos 8.11 0777
(76 Min., 2/1922, 6/1945, 9/1938, 1929, 1952) 1 CD

Vielleicht geht es Ihnen mit Ferruccio Busoni so ähnlich wie dem Rezensenten: ein gewichtiger Mann, zweifelsohne, ein Komponist, Bearbeiter Bach'scher Werke, Pianist, Lehrer, Theoretiker. Und wenn man sich näher mit ihm beschäftigt, beschleicht einen oft der Gedanke: "Nun, er hatte schon seine Bedeutung (in seiner Zeit)." Naxos Historical bereichert das immer etwas unvollständige Bild nun mit einer Neuausgabe sämtlicher Plattenaufnahmen, die von Busoni erhalten sind, und das sind leider nicht viele - der Meister verewigte sich sonst nur auf dem elektromechanischen Welte-Mignon-Klavier.
Busoni hasste Schallplattenaufnahmen, quälte sich aber 1919 und 1922 bei British Columbia durch ein kleines Programm mit Bach-Bearbeitungen, Beethoven, Chopin und Liszt. Die frühen Aufnahmen wurden nicht veröffentlicht und verbrannten später. 1922 spielte Busoni Präludium und Fuge Nr. 1 aus dem "Wohltemperierten Klavier", eine zart-pedallastige und ziemlich romantische Interpretation. Die Bearbeitung des Choralvorspiels "Nun freut euch, lieben Christen" huscht zwischen dem Rauschen der akustischen Aufnahme rasch dahin, ohne dass man sich ein weiteres Urteil erlauben möchte. Ungewöhnlich leichthändig klingt auch die folgende Ecossaise in Es-Dur von Beethoven.
Chopin aber lag Busoni aus heutiger Sicht zumindest interpretatorisch näher als das Barocke. Das Nocturne Fis-Dur op. 15 Nr. 2 zum Beispiel spielte er zart, perlend, mit reichlich, aber äußerst geschmackvollem Rubato. Ein Kuriosum am Rande: Zwischen die auf eine Plattenseite eingespielten Chopin-Stücke Prélude A-Dur op. 28 Nr. 7 und der "Schwarze-Tasten-Etüde" op. 10 Nr. 5 fügte er kurzerhand zwei modulierende Takte zwecks Überleitung ein. Dass Busoni über virtuose Fähigkeiten verfügte, die auch heute der Spitzenklasse zuzurechnen wären, zeigt sich in der "Ungarischen Rhapsodie" Nr. 13 von Liszt.
Die übrige Spielzeit der CD wurde sinnvoller Weise mit Aufnahmen von Schülern Busonis gefüllt; Egon Petri spielt die bekannte Bearbeitung der Bach-"Chaconne" - im Metrum schon bedeutend strenger als sein Lehrer - sowie zwei Eigenkompositionen Busonis.
Michael von Zadora ist mit drei Sonatinen zu hören, und Edward Weiss spielt das erste Buch des "Indianischen Tagebuchs". Diese CD ist sowohl wegen des historischen wie des musikalischen Werts eine sehr zu empfehlende Zusammenstellung, die Busonis Bedeutung erfahrbar macht.

Matthias Reisner, 27.11.2004



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