Wussten Sie, dass die deutschen Pauker Ende des 18. Jahrhunderts "allgemein sehr berühmt" waren? Dass manche von ihnen sogar eigene Konzerte gaben, wobei sie zwischendurch mit den Schlägeln in der Luft jonglierten? Nun, diese CD ist voll von solchen kleinen Aha-Effekten, und die stellen sich nicht nur beim Lesen des vorzüglichen Beihefts ein, sondern erst recht beim Hören. Wir erfahren, dass es im 17. und 18. Jahrhundert eine ganze Reihe von ernsthaften Kompositionen gab, in denen die Pauke solistisch und sogar virtuos auftrat. Zum Beispiel in Johann Carl Christian Fleischers Sinfonie mit acht obligaten Pauken, wo es wie bei klassischen Violin- oder Klavierkonzerten sogar eine regelrechte Kadenz samt abschließendem Triller (!) gibt, bevor das volle Orchester wieder einsetzt. Die Sinfonie wurde übrigens früher Johann Wilhelm Hertel zugeschrieben und wer zufällig die verdienstvolle aber muffige Paralleleinspielung mit Werner Thärichen im Schrank stehen hat, der wird sowohl das frische Spiel des Philharmonischen Kammerorchesters Dresden wie auch den um ein Vielfaches transparenteren Klang von Alexander Peters Paukenrekonstruktionen des 18. Jahrhunderts zu schätzen wissen. Noch spannender sind aber die Ersteinspielungen - zumindest dann, wenn man ein kleines Faible für Klangfarben mitbringt: Wir lernen Paukenwerken von Johann Christoph Graupner und Johann Melchior Molter kennen, die ihre ungewöhnlich stark ausgeprägte Liebe für ungewöhnliche Klänge hier voll ausleben konnten: die Pauken mal in den Bass, mal in die Melodiestimme legend und sie reizvoll mit Flöten, Streichern oder Hörnern kombinierend. Wir machen zusätzlich die Bekanntschaft mit Werken des Paukenvirtuosen Georg Druschetzky, der es mit seiner Instrumentationskunst sogar schaffte, Variationen über simple sechs Töne einer Tonleiter zu schreiben: da bleibt auch dabei, wer die Schlägel nicht durch die Luft fliegen sieht.

Carsten Niemann, 22.01.2005



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