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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 5

Sächsische Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli

Deutsche Grammophon 469 527-2
(77 Min., 3/1999) 1 CD

Musste und muss man bei Böhm, Bernstein und Boulez fürchten, dass nach ihren ersten Bruckner-Aufnahmen die Deutsche Grammophon weitere folgen lassen würde, so kann man sich bei Sinopoli nach der Achten und Neunten und nun auch nach der Fünften nur auf die Fortsetzung des Zyklus freuen. Das liegt in erster Linie an seinem fabelhaften "Instrument" aus Dresden, das dem Hörer bei aller Wärme und Sonorität des Klanges eine wunderbare Klarheit der Partiturlinien vermittelt. Und natürlich an der Feinarbeit seines Chefs, der nahezu jedes Detail überaus liebevoll herausmodelliert - beispielhaft die dynamisch ausgefeilte Cellokantilene am Themeneinsatz des ersten Satzes.
Sinopolis Bruckner ist en gros ein gewichtiger, tief in sich versunkener Spätromantiker. Wie sich bei ihm die einzelnen Phrasen und Akkordballungen entfalten dürfen, wie sich die hier in der Fünften einzigartig dichten Kontrapunkt-Linien, vor allem die Doppelfuge des Finales, mit Bedacht aufdröseln und zum großen Ganzen zusammenfügen, wie nicht zuletzt den Generalpausen des gigantischen Eröffnungssatzes Zeit eingeräumt wird - das zeigt, dass das Etikett vom tiefsinnig-ernsten (studierten) Philosophen als Dirigenten mehr ist als nur ein Schlagwort. Im Adagio droht zwar mitunter das statische Stocken Überhand zu gewinnen. Doch beim feierlich ausmusizierten Hymnus löst sich jeder Zweifel an soviel "Zeitlassen" auf.
Bleibt noch das trockene Klangbild anzumerken, an das man sich erst gewöhnen muss - schließlich sitzt man mitten im Orchestergraben der Semperoper. Und da kann das Staunen über die Präzision der "live" aufspielenden Dresdner wachsen und wachsen.

Christoph Braun, 29.03.2001



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