home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Die spanische Mezzosopranistin Teresa Berganza, die am 16. März 2005 ihren 70. Geburtstag feierte, war während ihrer Karriere eine skandalfreie Virtuosin mit brillanter Technik, die stets ein hohes künstlerisches Niveau bieten konnte, ohne viel Tamtam um sich zu machen - ob sie wohl ins heutige Klassik-Geschäft noch hineinpassen würde? Ihre elegante, höchst ästhetische Art des Singens verbot ihr, wie Jürgen Kesting trefflich formuliert "nicht Interpretation, aber deren Exzesse". Wer hinter solcher Solidität Langweile vermutet, der höre etwa ihre 1977 unter Abbado produzierte Carmen, die auszugsweise in dieser Box repräsentiert ist: Gerade die Abwesenheit vordergründiger Effekte und Extravaganzen macht dieses Porträt der verhängnisbringenden Zigeunerin zu einem zeitlosen, auch heute noch genießbaren Hörererlebnis, während manche andere, zu ihrer Zeit spektakuläre Einspielung heute längst ihren Reiz verloren hat.
Um solche Ergebnisse zu erzielen, braucht man freilich mehr als nur eine unprätentiöse Grundhaltung, mehr auch als jene unerschütterliche Gewissenhaftigkeit, mit der sich Teresa Berganza auf ihre Partien vorzubereiten pflegte (was im Fall der Carmen mehrere Jahre in Anspruch nahm. Erforderlich ist vor allem eine über die Maßen schöne und perfekt gepflegte Stimme - womit Berganza wahrlich aufwarten kann: Pures Gold etwa ihre berühmten Aufnahmen spanischer Canciones und Lieder mit Narciso Yepes bzw. ihrem Mann, dem Pianisten Félix Lavilla; sie wandelt in diesem Repertoire auf den Spuren der kürzlich verstorbenen Victoria de los Angeles, die Kantilenen dieser heimatlich vertrauten Musik ebenso geschmeidig und verhalten-expressiv ausgestaltend wie ihre ältere Kollegin. Allein diese Kleinode, die gemeinsam mit einer Sammlung altitalienischer Arien die Hälfte des hier zusammengestellten Materials ausmachen, lohnen die Anschaffung der Box. Vervollständigt wird das Bild durch de Fallas Ballette "El sombrero de tres picos", "El amor brujo" und sein lyrisches Drama "La vida breve", welch letzteres sogar vollständig auf der ersten CD enthalten ist; Auszüge aus Rossinis "Barbiere" und "La Cenerentola", Mozarts "Clemenza di Tito", Puccinis "Butterfly" (mit Berganza als Suzuki), und Strawinskis "Pulcinella" dokumentieren weitere Facetten des Könnens der Spanierin.

Michael Wersin, 19.03.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top