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Johann Sebastian Bach, John Foulds, Georg Friedrich Händel u.a.

Transcendendant Journey

Juan José Chuquisengo

Sony CD 93829
(72 Min., 10/2003, 12/2003) 1 CD

Was ist das für ein merkwürdiges Programm? Die Beschreibung als "wilder Ritt durch die Musikgeschichte" findet sich im Booklet, und da kann man erst mal nur zustimmen. Auf zwei Choralvorspiele von Bach (vom Pianisten Juan José Chuquisengo selbst arrangiert) folgt eine "Gandharva-music" des weitgehend vergessenen John Foulds, der um 1900 mit Vierteltönen experimentierte und später nach Indien auswanderte, wo er schließlich Direktor von All India Radio wurde. Ein Zeitgenosse soll das hier eingespielte Stück auch als "Bach in India" bezeichnet haben … Also doch keine so wüste Zusammenstellung? Das Programm hat jedenfalls etwas Programmatisches, das sich auch im Titel der CD ("Transcendendant Journey") ausdrückt. Übrigens ein Trend in der "leichten" Klassik, CDs mit Titeln zu versehen, das macht es wohl für den "Switcher" (den von der Popmusik kommenden Hörer) einfacher, das Ding irgendwie einzuordnen …
Aber wir bewegen uns hier gar nicht auf dem bis auf wenige Millimeter abgegrasten (und dennoch immer weiter intensiv beweideten) Feld der "leichten" Klassik, auch wenn auf ein weiteres, minimalistisch angehauchtes, etwas esoterisches Stück von Foulds das Allegretto (und nur dieses) aus der 7. Sinfonie von Beethoven im Liszt-Arrangement folgt. Die folgende "Fantasia on an Ostinato" von John Corigliano, komponiert 1985, nimmt nämlich Bezug eben auf dieses Allegretto. Beethoven-Motive werden in minimalistischer Manier umspielt, klingen an, verschwinden wieder. Was es sonst noch für Bezüge zwischen der folgenden Toccata BWV 911, der Toccata op. 7 von Robert Schumann und der Toccata op. 11 von Sergej Prokofjew gibt, mag jeder für sich heraushören oder entscheiden.
Der Rundumschlag ist jedenfalls geglückt, weil Chuquisegno ein ausgezeichneter und ernstzunehmender Interpret ist. Der gebürtige Peruaner lebt seit seinem 19. Lebensjahr in München, wo er bei Klaus Schilde studierte und später die prägende Bekanntschaft mit Sergiu Celibidache machte. Chuquisegno ist keiner, der den schnellen Ruhm sucht. Er arbeitete sieben Jahre ohne aufzutreten an Technik und Stil, und diese sind als sehr geradlinig, schnörkellos und unprätentiös zu bezeichnen. Es ist, wie wenn der Hörer auf einfühlsame Weise gefordert wird, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Eine Sachlichkeit, die sich auf alle hier vertretenen Stile erstreckt und nicht zuletzt dazu beiträgt, den wilden Ritt zu einem interessanten, ja beeindruckenden Ganzen werden zu lassen.

Matthias Reisner, 04.02.2005



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