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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 3

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Michael Gielen

Hänssler/Naxos 93.031
(66 Min., 5/1999, 8/1992) 1 CD

So wie man es von Michael Gielen erwartet, so klingt auch seine Aufnahme von Bruckners Dritter, der "Wagner-Sinfonie": streng durchexerziert, das motivische Geflecht vorbildlich durchleuchtet, jedoch mit wenig Zwischentönen. Man muss noch nicht einmal ein Anhänger von Celibidaches breiten Tempi in seiner Münchner Periode sein, um Gielens forsche, um nicht zu sagen hektische Gangart vor allem des Kopfsatzes einfach nur prosaisch zu finden.
Ähnliches gilt für das Andante, während die beiden letzten Sätze Gielen eisernem Griff naturgemäß besser liegen, vor allem das giftige Scherzo. Doch auch hier nimmt sich Gielen zu wenig Zeit für die Ausflüge in die Welt des oberösterrichischen Ländlers, die zur Gesamtphysiognomie des Werks einfach dazugehören. Trotzdem zeitigt die Autorität des Dirigenten positive Ergebnisse, und man kann seiner Interpretation gewiss keine Inkonsequenz vorwerfen.
Was ebenso viel Beachtung verdient wie das Dirigat, ist die Wahl der Fassung: Gielen entschied sich für die Version von 1876/77, die zweite der drei Fassungen des Werks. In ihr sind die meisten der vielen Wagner-Zitate der ursprünglichen Partitur von 1873 (die zu Bruckners Lebzeiten nie gespielt wurde) getilgt, und sie ist es auch, die unter Bruckners Stabführung zur Uraufführung gelangte. Heute wird jedoch meist eine Überarbeitung von 1889 aufgeführt, die Bruckner auf Drängen seiner Freunde anfertigte und die aufgrund zahlreicher Striche besonders im Finale nicht wirklich überzeugt. Wer Gielens betont sachliche Gangart schätzt, hat hier Gelegenheit, Bruckners Partitur in der Form kennen zu lernen, die seinen originalen Vorstellungen am meisten entspricht.

Thomas Schulz, 03.01.2002



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