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Thomas Tallis, John Sheppard, Benjamin Britten, Richard Rodney Bennett, John Tavener u.a.

The Road To Paradise (Motetten)

Gabrieli Consort, Paul McCreesh

DG/Universal 477 6605
(74 Min., 7/2006) 1 CD

"... und wandern ohne Ruh‘ / mit mancherlei Beschwerden / der ewigen Heimat zu": Nein, gerade so wie im alten sündenbeladenen Kirchenlied sieht der (musikalische) Weg ins Paradies, den das Gabrieli Consort 2005 auf seiner Konzert- und Pilgerreise nach Santiago de Compostela beschritt, nicht aus. Der Weg zum ewigen Licht, Glück, Heil, oder wie das Unnennbare seit jeher sonst benannt und erträumt wurde, ist in Paul McCreeshs Vorstellung kein schmerz- und dissonanzerfülltes Abhetzen im irdischen Jammertal, sondern bereits das Ziel: ein meditativ ge- und erlöstes, harmonisch-balsamisches Dahinschweben. Den (Hörer-)Pilger umwehen – angesichts der nahen Todes-Pforte – entweder tief melancholische, himmlisch schwebende oder in gleißendem Licht strahlende Töne mit Rückenschauergarantie. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Töne aus dem 16. oder aus dem 20. Jahrhundert, von John Sheppard (Media vita in morte sumus) oder Richard Rodney Bennett (A Good-Night), von Tallis (Miserere nostri) oder Britten (A Hymn to the Virgin), Byrd (Christe qui lux es et dies) oder Holst (Nunc dimittis) stammen: Hauptsache, sie sind britisch, und sie entrücken den Hörer in seraphische Gefilde. Schiebt man die Frage beiseite, ob McCreesh in seiner Auswahl nicht doch stärkere Kontrastmittel hätte wählen sollen – allenfalls Herbert Howells‘ "Take him, Earth, for cherishing" stört da mit einigen Dissonanzreibungen die Trance –, dann muss man dessen Idee, der (von ihm erwartbaren) kunstvollsten Renaissancepolyfonie Werke des letzten Jahrhunderts hinzuzugesellen, höchst gelungen nennen. (Das gilt, meinetwegen, auch für John Taverners, im Dianatrauerfieber von 1997 bekannt gewordenen "Song for Athene".) Erst recht, wenn diese Idee derart makellos, geradezu sphärisch (intonations-)rein realisiert wird wie hier vom Gabrieli Consort, das in puncto dynamischer Wandlungsfähigkeit, Pianissimokultur und voluminös-sattem, blockhaft vehementem Forte kaum seinesgleichen findet. Da kann der kontinentaleuropäische Hörer den mitunter scharfen Sopranklang durchaus auch einmal als Spezialität britischer Chorerziehung akzeptieren. Und doch genussvollst entschweben ...

Christoph Braun, 22.09.2007



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