Responsive image
Frédéric Chopin, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn

Klavierwerke

Ivo Pogorelich

DG/Universal 00440 073 4046
(122 Min., 4/1987, 5/1987) 1 DVD

Der elegische Blick, den der junge Ivo Pogorelich vom Cover dieser DVD gen Himmel sendet, hat Symbolwert: Schon in den 80er Jahren, als diese Mozart-, Haydn- und Chopinaufnahmen in den edlen Sälen des Castello Reale di Racconigi entstanden, hatte der Serbe einen Ruf als Meister der Slow Emotion. Pogorelich, das bedeutete schon damals ein Versinken in der Schönheit des Klaviertons, ein ergriffenes Anhalten der Zeit. Was heute bei Pogorelich-Klavierabenden bis zur werkzerstörenden Manie fortgeschritten ist, bewegte sich beim Twen freilich noch in den geordneten Bahnen der klassischen Tradition. Das Adagio von Haydns As-Dur-Sonate ist zwar mit knapp 13 Minuten sehr langsam empfunden, aber der große gesangliche Bogen trägt noch. Diese Aufnahmen zeigen allerdings auch, dass Pogorelich nie ein wirklicher Haydn- und Mozartpianist war – der Spaß am Überraschen des Hörers, die den Ecksätzen einer Haydnsonate oder den Variationen von Mozarts berühmter A-Dur-Sonate erst ihren Pfiff geben, vertragen sich nun mal nicht mit dem Leidenswillen des Jungvirtuosen. Das funktioniert bei Chopin schon besser, Pogorelichs meditativer Zugriff irritiert allerdings auch hier immer wieder, beispielsweise in der sehr erdenschweren c-Moll-Polonaise oder dem grotesk langsam genommenen Mittelteil des Scherzos der h-Moll-Sonate, zumal er die flirrenden Eckteile zwar blitzsauber spielt, aber ohne jene Magie, die erst die Spannung für ein so radikales Umschalten aufbauen könnte.

Jörg Königsdorf, 29.09.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Gab es einen größeren Goethe-Verehrer unter den Komponisten als Ludwig van Beethoven? Den Poeten lernte Beethoven 1812 kennen, da hatte er sich von dessen Werken schon längst zu eigenen Kompositionen inspirieren lassen, vor allem zu einer ausgedehnten Bühnenmusik zum Trauerspiel „Egmont“. Eine geniale Mischung aus Poesie bzw. poetischer Andeutung und musikalischer Ausgestaltung, aus Worten und Klang. Diese Musik habe er „bloß aus Liebe zum Dichter geschrieben“, meinte Beethoven in […] mehr »


Top