Vesselina Kasarova neigt, ist sie in rein solistischem Repertoire ganz sich selbst überlassen, zu einer gewissen Festigkeit in der Stimmgebung, gelegentlich mit zu tiefer Intonation im Gefolge – vielleicht ein Tribut an ihren stets überbordenden Ausdruckswillen, an ihren hohen Perfektionsanspruch. Wie gelöst hingegen klingt sie, wenn sie gemeinsam mit einem stimmtechnischen Sunnyboy wie Juan Diego Flórez ein Duett zum Besten gibt; faszinierend, wie sie von seiner Leichtigkeit profitiert, wie gelöst sie seine mühelos genommenen weiten Sprünge und seine glasklar herausgeschleuderten gruppetti zu imitieren vermag. Auch ihre anderen beiden Duettpartner auf dieser CD – Eva Mei und Ramón Vargas – scheinen Vesselina Kasarova in ähnlicher Weise zu inspirieren.
Keine Neuaufnahmen, sondern lediglich Auskoppelungen aus Gesamteinspielungen und Rezitals enthält die vorliegende CD, aber das ist kein Makel: Wer die ursprünglichen CDs nicht oder nur teilweise besitzt, kommt so günstig in den Genuss einiger Höhepunkte des Belcanto-Repertoires, vorgetragen von ausnahmslos hervorragend disponierten Sängern. Im Mittelpunkt steht Vesselina Kasarova, sie ist immer dabei: Erstaunlich wandlungsfähig, niemals auch nur eine Sekunde nachlässig oder gar langweilig, immer überaus wohlklingend und strahlkräftig timbriert. Wenn auch nicht als solche gekennzeichnet, dürfte diese Veröffentlichung doch wohl eine Hommage anlässlich des 40. Geburtstags der Sängerin im Juli diesen Jahres sein: Herzlichen Glückwunsch!

Michael Wersin, 18.06.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ironie, Satire, Persiflage: Es sind die wohl schwierigsten Kommunikationsformen überhaupt. Und noch mehr, wenn es um musikalische Kommunikation geht. Denn hier ist selten einfach das gemeint, was offensichtlich ausgedrückt wird, sondern meist eine Haltung des Komponisten dazu, sei es eine Distanzierung, eine Kritik oder einfach nur ein derber Spaß, den er sich erlaubt. Dmitri Schostakowitsch war ein Meister dieser unterhaltsamen Kunst der Zwischentöne. Sein erstes Klavierkonzert, das er mit […] mehr »


Top