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Gioan-Pietro del Buono, Carlo Gesualdo, Giovanni Girolamo Kapsberger, Domenico Mazzocchi, Tarquinio Merula, Pomponio Nenna, Michelangelo Rossi

La tavola cromatica: Eine musikalische Akademie bei Kardinal Barberini, Rom um 1635

Evelyn Tubb, The Earle his Viols

Edition Raumklang/harmonia mundi RK 2302
(66 Min., 6/2003) 1 CD

Kardinal Francesco Barberini (1597 – 1679) muss schwindelfrei gewesen sein. Denn die Musik, die seine Eminenz vom eigenen Gambenensemble bevorzugt aufführen ließ, zieht den Zuhörern immer wieder den Boden unter den Füßen weg. Ähnlich wie bei den Zeichnungen von M. C. Escher, wo Fußböden durch optische Täuschungen zu Wänden, oder Außenflächen zu Innenflächen werden, scheinen auch hier die herkömmlichen Gesetze der Schwerkraft teilweise ausgeschaltet zu sein: Solide Grundtöne werden jäh zu fragilen Spitzen gewagter Tonschichtungen und umgekehrt. Möglich wird das durch eine faktische Aufteilung der Tonleiter in mehr als zwölf Töne; Vorbild für die Experimente waren dabei unter anderem die Madrigale Carlo Gesualdos. Da die sich aber nicht ohne weiteres auf Besetzungen mit nur einer Solostimme und Instrumentalbegleitung oder gar auf eine rein instrumentale Ausführung übertragen ließen, bedurfte es eines ganz speziellen Instrumentariums: in diesem Falle sind es Gamben, die über zusätzliche Bünde verfügen.
Alles nur gewagte Spielereien? Mitnichten! Denn dass es sich bei den Kompositionen um bewegende Werke handelt, das beweisen uns "The Earle his Viols" und Evelyn Tubb in der jeder Note. Die Interpreten tappen dabei jedoch auch nicht in die Falle, die gewagten Harmonien und affektgeladenen Texte in romantischer Manier mit Ausdruck zu überfrachten: Der Klang von Ensemble und Solistin ist hellzart und bewegt sich in zahllosen Nuancen zwischen teils kristallinen, teils weichen ätherischen Farben. Und obwohl Evelyn Tubb jedes Schlüsselwort und jeden musikalischen Seufzer intensiv zu beleben weiß, atmet ihr delikater Vortrag insgesamt dennoch eine große Gelassenheit und Klarheit. Für Ruhepunkte zwischen den Irrgängen durch die Labyrinthe der Seele und der Harmonien sorgen einfachere Stücke wie jenes intime Wiegenlied von Tarquinio Merula, in dem die Gottesmutter ihr Kind mit einem schlichtem "nina nina na" in Schlaf singt. Himmlisch! (Und schon wieder ist der Boden unter den Füßen weg.)

Carsten Niemann, 17.09.2005



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