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Johann Sebastian Bach, Fernando Sor, Joaquín Turina, Michael Tippett, Franz Schubert

Guitar Recital

Julian Bream, John Williams

Testament/Note 1 SBT 1333
(76 Min., 1956 - 1985) 1 CD

Als Julian Bream Anfang der 1950er Jahre mit seiner Gitarre an der Londoner Royal College of Music vorstellig wurde, schüttelten die Professoren erstaunt den Kopf: Gitarre? So ein Instrument gibt's nicht auf dem Lehrplan. Ein halbes Jahrhundert später kann man nicht nur dort längst die klassische Gitarre studieren. Dank Bream, der das Image des Sechssaiters noch mehr rehabilitiert hat, als es der eigentliche Gottvater Andrès Segovia schaffen sollte. Bream etablierte die transkribierten Bach-Partiten im Konzertsaal, blickte er über den spanischen Tellerrand der Gassenhauer von Albéniz und Granados hinaus, um zeitgenössische Komponisten wie Henze und Britten für die Gitarre zu begeistern. 2002 hängte der heute 72-jährige Bream die Profi-Gitarre an den Nagel, nach physischen Komplikationen seines ehemals furchtlosen, aber nie auf pure Virtuosität und Perfektion setzenden Fingerlaufwerkes. Mit der Veröffentlichung von Archiv-Aufnahmen des BBC wird jetzt ein ganzes Jahrhundertkünstlerleben dokumentiert, das entlang der Studio- und Live-Mitschnitte Breams substanziellen Umgang mit den Klangspektren und -horizonten aus drei Jahrhunderten auf den Punkt bringt.
Mit dabei ist erwartungsgemäß auch der australische Kollege John Williams, mit dem Bream sich nie um Kopf und Kragen spielte, sondern auf die hohe Kunst der Nuanciertheit und des musikantischen Elans setzte. Und dies selbst bei so einem eher gutmütig-schematisch wirkenden Duo, das auf Schuberts Streichquartett Nr. 9 basiert. Fernando Sors "Introduktion und Variationen auf ein Mozart-Thema" op. 9 spiegelt nicht weniger die bürgerliche Genre-Kunst wider. Die mit Breams unverwechselbarem Vibrato ausgekleidete Kantabilität lebt dabei von einer Ausdrucksstärke selbst in den scheinbar abgegriffensten Effekten. Bream zeigt sich als Interpretationsinstanz in der herrlich in sich ruhenden und doch die formale Autorität einfangenden "Chaconne" Bachs. Und wie Bream schließlich die dosiert expressionistisch-nervöse Poesie von Michael Tippetts "Blue Guitar" mit aller Klarheit und Tiefe auslegt, ist Gitarren-Kunst allerhöchster Güte.

Guido Fischer, 01.10.2005



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