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Diverse

Das Gänsebuch

Matthias Ank, Schola Hungarica, László Dobszay, Janka Szendrei

Naxos, 8.55 7412 D
(71 Min., 9/2002, 2/2003) 1 CD

Erwarten Sie weder Gänsegeschnatter noch Wolfsgeheul auf dieser CD: Der von Meister Isegrimm dirigierte Gänsechor des Titelbilds ist nämlich nur von symbolischer Bedeutung. Ebenso wie die hier größtenteils erstmals eingespielten Messen für die wichtigsten Nürnberger Heiligen stammt die Abbildung aus einer Sammlung liturgischer Gesänge, die um 1500 von der Pfarrei der berühmten Nürnberger Lorenzkirche in Auftrag gegeben wurde. Das Buch nannte man nach der rätselhaften Illustration "Das Gänsebuch". Was sich alles hinter den Illustrationen an theologisch-politischen Anspielungen und sonstigen Querbezügen zu den weltberühmten übrigen Kunstwerken der Kirche verbirgt, erfahren wir trotz des ausführlichen Beihefttexts nur ansatzweise - aber genau genommen ist diese CD auch nur ein Appetizer für das geplante spannende Projekt einer CD-Rom, auf der Illustrationen, Erläuterungen und Musikstücke der Handschrift vereint werden sollen und die sicher auch das geeignetste Medium für ein mittelalterliches Gesamtkunstwerk wie dieses sein dürfte. Wer allerdings die Lorenzkirche schon einmal besucht hat oder das mittelalterliche Nürnberg an sich spannend findet, kann sich jetzt schon über die klingenden Gegenstücke zu Deocarus-Altar, Kaiserfenster und Engelsgruß freuen. Die Schola Hungarica bietet die einstimmigen Messgesänge in einer vergleichsweise frischen und zupackenden Interpretation, wobei besonders die kluge Mischung der hohen Stimmen überzeugt: in die historisch korrekten Kinderstimmen mischen sich bruchlos einige Frauenstimmen, die, da heute der Stimmbruch früher erfolgt als um 1500, dem Klang die nötige Fülle und Reife verleihen. Ergänzt werden die liturgischen Gesänge mit einigen Orgelsätzen Nürnberger und süddeutscher Meister aus der gleichen Zeit, die aber ob ihrer Mehrstimmigkeit wesentlich moderner wirken; Orgelfreaks könnten den Hinweis auf das verwendete Instrument vermissen.

Carsten Niemann, 10.12.2005



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