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Henry Madin

Les petits motets

Anne-Catherine Bucher, Le Concert Lorrain

K617/harmonia mundi K 617184
(57 Min., 5/2006) 1 CD

Der französische Barocktresor scheint einfach unerschöpflich zu sein. Ständig kommen Partituren zum Vorschein, die den musikalischen Reichtum der Grande Nation während der Regentschaften
Ludwigs XIV. & XV. dokumentieren. Und das Erstaunliche ist dabei, dass selbst Komponisten, die heute längst vergessen sind, mit ihren Werken nie ein gewisses Niveau unterboten. Solch ein Komponist war der im lothringischen Verdun geborene Henry Madin (1698-1748). Nach seinen Wander- und Lehrjahren u. a. bei Sébastian de Brossard machte Madin schnell Karriere in Versailles, wurde er dort 1738 zum "sous-maître de la musique de la Chapelle du Roi" ernannt. Folgerichtig muss Madins eigentliche Domäne die geistliche Musik gewesen sein. Weil sein Nachlass aber wohl noch der musikwissenschaftlich abgesicherten Auswertung harrt, machte nun die Dirigentin Anne-Catherine Bucher aus der Spekulation eine Tugend.
Definitiv aus dem Jahr 1740 stammen zwar die von Buchers Instrumental- und Vokalensemble "Le Concert Lorrain" ersteingespielten "Les Petits Motets". Leider ist aber ihre Autorschaft nur mit den Initialen "Mr. H. M. " angegeben. Laut Bucher war diese bescheidene Form der Signatur wohl zu jener Zeit keine Seltenheit. Und so kann sie Madin zum Urheber von kleinen Motetten machen, die sich wirklich nicht vor den Werken eines Campra oder Couperin zu verstecken brauchen. Zumeist für zwei Sopranstimmen und Kammerensemble gesetzt, besitzen die "Petits Motets" alles, was das gläubige Herz anrührt. Erhabenheit und konzentrierte Schlichtheit, andächtige Dramatik, dahinfließende Schönheit und eine wundersame Innerlichkeit. Diese Wirkung kann sich jedoch eben nur einstellen, wenn man solch ein achtköpfiges, ausnahmslos weibliches Vokalensemble zur Verfügung hat, das diese Gefühlswelten mal spannungsvoll, mal melancholisch süß zum Leuchten bringt.

Guido Fischer, 18.01.2008



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