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Alban Berg

Wozzeck

Franz Hawlata, Angela Denoke u.a., Orchester des Liceu Barcelona, Sebastian Weigle, Calixto Bieito

Opus Arte/Naxos OA 0985 D
(129 Min., 1/2006) 1 DVD

Es ist auf den ersten Blick gar keine schlechte Idee, Calixto Bieito mit dem "Wozzeck" zu betrauen. Denn in Bergs Arme-Leute-Tragödie hätte der Katalane, der mit seinem Theater der Grausamkeit an Deutschlands Opernhäusern für Furore gesorgt hat, ja wirklich einmal Gelegenheit, die Trostlosigkeit der menschlichen Existenz mit den Farben von Blut, Schmutz und Elend auszumalen. Und doch war es eben doch keine so gute Idee, wie der Mitschnitt des Bieito-"Wozzeck" aus dem Liceu Barcelona beweist: Zwar funktioniert die Verlegung des Stoffes aus der Kaserne in eine moderne Raffinerie weit gehend problemlos, aber gewonnen ist dadurch erstmal noch nichts. Im Gegenteil: Der Realismus der Produktion, die den Doktor beim Sezieren zeigt und Wozzecks Söhnchen an eine Sauerstoffmaske hängt, erklärt nicht, weshalb Berg dazu eine extrem kunstvolle, verfremdende Musik schuf. Schade, denn mit Franz Hawlata als overalltragendem Underdog und Reiner Goldberg (Tambourmajor), Johann Tilli (Doktor) und Hubert Delamboye (Hauptmann) ist die Produktion sehr ausstrahlungsstark besetzt. Einzig Angela Denoke wirkt etwas fehl am Platze: Ihrer Marie fehlt jener proletarische Überlebenswille, den etwa Waltraud Meier überzeugend verkörpert. Wie sein Mentor Barenboim dirigiert Liceuchef Sebastian Weigle den "Wozzeck" als Destillat spätromantischer Klanglichkeit: schön, hoch ästhetisch, aber doch mit den nötigen expressiven Schärfen.

Jörg Königsdorf, 18.01.2008



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