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Diverse

Ying Huang

Ying Huang, London Symphony Orchestra, James Conlon

Sony SK 62687
(67 Min., 1996) 1 CD

Kann und darf man sich noch darüber wundern, wenn Asiaten zu Stars des westlichen Kulturmarktes avancieren? Bei Dirigenten und Geigerinnen sicher nicht mehr, bei Sängerinnen aber vielleicht doch noch (ein wenig). Denn bei kaum einer Kunst schlägt sich die kulturelle Herkunft derart unmittelbar physisch nieder wie beim Gesang: der Stimmsitz einer asiatischen Sängerin ist ein gänzlich anderer als der ihrer westlichen Kollegin.
Von der genuin chinesischen, kehlkopfbetonten Klangfärbung ist bei der sechsundzwanzig Jahre jungen, in Shanghai geborenen und am dortigen Konservatorium ausgebildeten Koloratursopranistin Ying Huang nichts zu merken, im Gegenteil: Ying Huang, seit ihrer Paraderolle in Frédéric Mitterrands „Madame Butterfly“-Verfilmung auch dem hiesigen Kinopublikum bekannt, besitzt einen klaren, schlanken Sopran, dem man das (westliche) Schönheitsideal der „natürlichen“ Anmut bescheinigen darf. Schlichtweg bewunderungswürdig aber erscheint ihre technisch makellose Koloraturkunst: derart leicht und präzise, auch in blendenden Höhen, hört man die Belcanto-Girlanden Rossinis, Donizettis und Verdis selten.
Dass Ying Huangs Mezzoregister gewichtiger, tragfähiger sein darf und die Bellini- und Puccini-Diven noch einige Grade mehr an Espressivo-Dramatik vertragen können, wird man einer derart jungen Künstlerin kaum ankreiden wollen. Darüber hinaus aber darf man gespannt sein auf die „echte Mozart-Sängerin“, die James Conlon, ihr Mentor (und einfühlsamer LSO-Begleiter), im Beiheft dieses ersten Solorecitals in Aussicht stellt.

Christoph Braun, 28.02.1997



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