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Tschaikowski u.a.

Variationen über ein Rokoko-Thema, Cellokonzert Nr. 1

Han-Na Chang, London Symphony Orchestra, Mstislaw Rostropowitsch

EMI 5 56126 2
(59 Min.) 1 CD

Die damals elfjährige Koreanerin Han-Na Chang gewann den Ersten Preis des „Concours Rostropovich“ in Paris gegen eine so internationale wie ältere Konkurrenz. Seither fungiert „Slava“ als ihr Cello-Papa, ihr Mentor; er dirigierte nun auch ihre Debütaufnahme (Han-Na Chang ist mittlerweile dreizehn). Und man hört sofort, was Rostropowitsch („Ich konnte nicht so spielen, als ich in ihrem Alter war“) mit der jungen Dame verbindet: ein Hang zu ausladenden Tempi, die allzeit emphatische — und gelegentlich auch manierierte — Spielweise, sogar das bisweilen etwas knödelige Vibrato.
Andererseits stimmt auch, was das Beiheft verkündet: dass Han-Na Chang sich aus der Flut von „notenhungrigen Teenagern“ erhebt, deren „atemberaubende technische Fertigkeit in umgekehrtem Verhältnis steht zu ihrer interpretatorischen Reife“. Um genau zu sein: Man merkt Changs relative „Unfertigkeit“ eher noch an Details von Linienführung und Klangfarbe als an einem Mangel in puncto Emotion oder Werkverständnis. Insofern ähnelt sie ihrer Namensvetterin, der sechzehnjährigen Geigerin Sarah Chang. Beide sind ohne Zweifel rare Phänomene, die dem Rezensenten das Handwerk erschweren: Soll er sie an den Aufnahmen „fertigerer“ Künstler messen oder nicht? Er muss.
Natürlich gibt es noch bessere Einspielungen der Rokoko-Variationen, des ersten Saint-Saëns-Konzerts, der Elegie von Fauré oder des Bruchschen „Kol Nidrei“, zumal Rostropowitsch das Orchester allzu selbstverliebt begleiten lässt. Aber es gibt nicht viele. Und, vor allem: Als Dokument einer Höchstbegabung auf diesem doch sehr sperrigen Instrument gibt es nichts, was wirklich vergleichbar wäre ...

Thomas Rübenacker, 31.05.1996



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