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Edward Johnson, Anthony Holborne, Robert Parsons, John Bull, John Dowland u.a.

Love Is Strange

Le Poème Harmonique, Vincent Dumestre

Alpha/Note 1 ALP 081
(61 Min., 1/2005) 1 CD

Die englische Lautentradition hat unzählige Wunderknaben hervorgebracht. Wie etwa John Daniel, Anthony Holborne, Thomas Robinson und nicht zu vergessen natürlich John Dowland. Mit ihren Galliards und Pavanen schufen sie aber nicht nur geistvolle wie anspruchsvolle Kunstmusiken en miniature, die sogar regelrechte Schlager wurden (Dowlands Lachrimae-Pavane gehörte Anfang des 17. Jahrhunderts zu den beliebtesten Werken seiner Zeit). In den so genannten Consorts, diesen typischen englischen Ensembles aus Streich-, Zupf- und Tasteninstrumenten, sorgte gerade die Laute für einen auch weltlich-folkloristischen Ton. Ist diese Besetzungsform der kammermusikalischen Pflege längst von Alte-Musik-Spezialisten reaktiviert worden, schlägt das französische Ensemble Le Poème Harmonique unter seinem Leiter Vincent Dumestre nun ein bisher übersehendes Kapitel der Consort-Literatur auf. Mit vier Lauten-Kollegen und dem Cembalisten Pierre Hantaï erinnert Dumestre an die mehrstimmigen Saitenspielereien, die sich in den Schlössern und Theatern der Tudor-Zeit eben auch höchster Beliebtheit erfreuten. Dass im Gegensatz zu den beispielsweise reinen Violen-Consorts keine Original-Partituren erhalten haben, machte Dumestre & Co. erwartungsgemäß kein Kopfzerbrechen. Denn dafür liegen zahllose Arrangements von Liedern und Cembalo-Stücken für mindestens zwei Lauten vor, aus denen man 22 repräsentative Stücke gewählt hat.
Darunter finden sich das unverwüstliche "Green Sleeves" und die "Twenty Waies upon the Bels" von Thomas Robinson, das mit seiner lautmalerischen Glockenimitationen an das berühmte Cembalo-Werk "The Bells" von William Byrd erinnert. Und wenn zwischendurch melancholisch eingefärbte Lieder ohne Worte eingestreut werden, fügt sich das alles zu einem wundersamen Stimmungsreigen aus tänzerischer Leichtigkeit, unterhaltsamer Volksmelodik und beseelter Intimität zusammen. Zumal die Musiker den auf Authentizität ausgerichteten Bogen nicht überspannen, sondern ihn in jene Schwingungen versetzen, mit denen Spielfreude und Ausdrucksreichtum zu einer Einheit verschmelzen.

Guido Fischer, 21.01.2006



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