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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 5

Mozarteumorchester Salzburg, Ivor Bolton

Oehms 364/Codaex
(71 Min., 5/2004) 1 CD

Auf die Dosierung kommt es an, wenn Bruckners 5. Sinfonie von dröhnendem Pathos und katholischem Prachtgewand purifiziert werden soll. Ivor Bolton hat dafür das Säurebad entsprechend umsichtig eingelassen, um bloß nicht am Ende nur noch die kontrapunktischen Knochen in den Händen zu halten. Mit Akribie lässt Bolton sein Mozarteum Orchester die Sedimente freilegen, ohne jedoch den markant Bruckner'schen Orchesterklang zu entwürdigen oder gar in Episoden aufzuteilen. Und der vorwärts drängende Impetus bleibt mit den Händen zu greifen, wie im "Adagio" genau die Gewichtsverteilung zwischen formaler Idee und kombinatorischer Phantasie beachtet wird. Mit diesem interpretatorischen Kalkül und dem energisch auftrumpfenden Orchester sorgt Bolton dann bisweilen für deutliche, aber doch nie exzentrisch wirkende Akzente, für Ein- und Ausblicke.
So wie im "Scherzo" Bolton immer wieder Mahler'sche Süffigkeit erahnen lässt, sind die "Introduktion" und das "Adagio" des Finale diesmal durchaus mit ihren Reizstoffen aus der Perspektive des Franzosen César Franck und seiner D-Moll-Sinfonie gehört worden. Wenngleich Bolton gleichfalls deutlich macht, wo die Unterschiede zwischen den beiden Wagnerianern liegen. Besonders dann, wenn Bruckners dialektisch geprägte Prozesshaftigkeit auf den Choral zusteuert. Mit Übersicht für die architektonischen Säulen und dem ausgeprägten Sinn für die Spannungsbögen setzt Bolton in dieser Live-Aufnahme ganz auf die subjektive Wucht und Kühnheit der Entwicklungsorganik, und so gerät dieser Schlusspunkt mehr staunenswert einleuchtend statt überwältigend aufgebläht.

Guido Fischer, 02.04.2005



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