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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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Gaspar Sanz, Fernando Sor, Isaac Albéniz, Joaquín Rodrigo u.a.

The Guitar In Spain

Julian Bream, Chamber Orchestra of Europe u.a., Charles Grooves

Arthaus/Naxos 102 003
(184 Min., 1985) 2 DVDs

Mit einigem Erstaunen schaut der eine Großmeister dem anderen auf die kreisenden Hände und weit gespannten Finger. Zu einem kleinen Duell kommt es aber zwischen Julian Bream und dem Flamceno-Virtuosen Paco Pena dann doch nicht. Der englische Jahrhundertgitarrist Bream wusste schließlich nur zu genau, wo seine Stärken und wo seine Grenzen liegen, als er den Kollegen in Cordoba besuchte. Zur kleinen Fachsimpelei kam es immerhin. Über die brüchigen Fingernägel beispielsweise, denen Pena mit einer Leim-Spezialmischung zuvorkommt. Auch solch Wissenswertes für die Gitarrenprofis bietet die Doppel-DVD "The Guitar in Spain", die alle acht Folgen vereint, die Mitte der 80er Jahre für das britische Fernsehen produziert wurden. Und einen beschlageneren Gitarristen als Bream hätte man kaum finden können, um die Geschichte der Gitarre in Spanien in all ihren Facetten aufzufächern. Denn Bream war bis zu seinem Rückzug aus dem Konzertleben nicht nur auf der klassischen Gitarre ein Pionier, was die Repertoirevielfalt angeht (für ihn komponierten u. a. Britten und Henze). Auf der Laute und mit seinem Bream Consort war er ein genauso inspirierender Interpret der elisabethanischen Musik, wie er die Pavanen und Fantasien der spanischen Renaissance-Komponisten wie Luis de Milán und Luis de Narváez für die Schallplatte wiederentdeckte. An der Vihuela und Barockgitarre, diesen beiden Ur-Instrumenten der spanischen Gitarre, war Bream aber bisher nahezu nie zu hören.
An den prachtvollen Originalschauplätzen besonders in Sevilla, in der Kathedrale und in lauschigen Innenhöfen, beginnt somit Breams Reise durch fünf Jahrhunderte spanischen Gitarrenspiels, die mit der Aufnahme von Joaquin Rodrigos berühmten "Concerto de Aránjuez" endet. Voll gepackt mit den in diesem Zeitraum entstandenen Meisterwerken schlägt Bream einen lückenlosen Bogen, angefangen von den strengen Stücken eines Alonso Mudarra über die salonhafte Virtuosität eines Fernando Sor mit seinen Mozart-Variationen bis zu den Väter der modernen Gitarre wie Francisco Tárrega. Lexikalisch-akademisch geht aber der sympathische Zeitgenosse und Lebemann Bream selbstverständlich nicht vor. Vielmehr lässt er sich von den Impressionen Spaniens, von seinen Menschen leiten. Wenn Bream im Bus oder auf einer Aussichtsmauer sein Instrument auspackt, hat das nichts Inszeniertes, sondern ist Sinnbild für die tiefe Verwurzelung der Gitarre in der Identität Spaniens. Und obwohl Julian Bream mit seinem Strohhut und etwas klobigen Gang durch die Straßen und Gassen unverkennbar als Tourist schlendert, ist er als Musiker dem Wesen des spanischen Gitarrenspiels vielleicht noch näher gekommen als ein Andrès Segovia.

29.04.2006



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