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Gioachino Rossini, Giuseppe Verdi, Wolfgang Amadeus Mozart u.a.

Tales Of Opera

Simon Keenlyside, Münchner Rundfunkorchester, Ulf Schirmer

Sony/BMG 82876 88482-2
(70 Min., 5/2006, 6/2006) 1 CD

Keenlyside ist jeder Lage und Situation gewachsen, der brillanten Bravour wie der verinnerlichten Melancholie, der tenoralen Helligkeit wie der dunkel-satten Klangfarbe. Die Übergänge von einer Farbschicht zur anderen mischen sich bruchlos, die Atemkontrolle ist perfekt, die Luftreserven sind unerschöpflich. Man versteht, warum Keenlyside auch den ins Tenorfach hinüberspielenden Pelléas von Debussy gesungen hat, und man traut ihm ohne Weiteres hohe Basspartien zu.
Was mehr darf verlangt werden? Eigentlich nichts. Die im italienischen, französischen, deutschen, russischen Originaltext gesungenen Arien klingen auch idiomatisch zuverlässig. Mancher mag sich vielleicht wünschen, dass Keenlyside in seiner unbeirrbaren gesangstechnischen, stilistischen und artikulatorischen Disziplin einmal auch über die Schnur hauen oder sich vom Teufel reiten lassen möge, schließlich begibt er sich mit der einen oder anderen Rolle doch (dramaturgisch gesehen) in Todesgefahr. Nein, sein innerer Kompass ist verführungsresistent - aber darf man ihm das wirklich als "Mangel" ankreiden?
In der Mehrheit der Fälle weiß der Zuhörer ja wohl, wer da in welcher Rolle welche Arie singt. Aber wenn auch die gesungenen Verse im Booklet alle abgedruckt sind, vielleicht wäre es aufschlussreich, Näheres zu erfahren, etwa dass bei Massenet der Herodes singt, in Thomas’ "Hamlet" die Titelfigur selbst, bei Bellini der verhinderte Bräutigam Riccardo, bei Cilea der alte Baldassare, bei Tschaikowsky der Fürst Jeletzky, in Mozarts "Zaide" der Gärtner Allazim. Einwände, die mit Keenlyside nichts zu tun haben; ihm steht die höchste Punktwertung zu.

Karl Dietrich Gräwe, 13.10.2006



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