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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



Vielleicht war der 1902 geborene Eugen Jochum schon zu alt, als er zwischen 1975 und 1980 Bruckners Sinfonien Nr. 1 bis 9 mit der Dresdner Staatskapelle aufnahm - vielleicht war er auch einfach schon zu betagt, um die Staatskapelle Dresden zu einem richtigen "Brucknerorchester" zu formen, so wie dies übrigens Stanislaw Skrowaczewski mit dem Radio-Sinfonieorchester Saarbrücken gelungen ist (aber Achtung - der ist in dieser Box nur mit der "Nullten" vertreten, geliehen von Oehms Classics, die weiterhin den ganzen Zyklus anbieten). Nehmen wir Jochums Interpretation der Achten: Es überraschen zunächst die raschen Tempi der Ecksätze, die dann - dies bestätigt der Höreindruck - mit einer teilweise recht hemdsärmelig-lapidaren Darbietung einhergehen. Wie eigenartig nüchtern fallen etwa die emotionsgeladenen dissonanten Schmerzensschreie im Kopfsatz aus, die doch laut Bruckners "Programm" Ausdruck höchster innerer Not angesichts einer "Todesverkündigung" sein sollen. Man muss nicht zu Celibidaches Leviathan-artiger Einspielung greifen, um dies mitreißend verwirklicht zu finden; auch der 72 Jahre alte Jascha Horenstein hatte hier 1970 in London mit dem BBC Symphony Orchestra weitaus mehr zu bieten als Jochum mit den Dresdnern. Was in Jochums vorliegender Version leider auch nicht überzeugt, ist die Klangregie und das Miteinander der Orchestermusiker: Nicht nur wenig brillante Blechbläser-Passagen trüben immer mal wieder das Bild. Auch im Kopfsatz der Neunten, um ein weiteres Beispiel zu nennen, bleibt Jochum hinsichtlich Spannungsaufbau deutlich hinter den Möglichkeiten der Partitur zurück, auch wenn er es hier und da ordentlich krachen lässt. Insgesamt hat Jochum als alter Herr seine eigenen früheren Bruckner-Aufnahmen mit den Berlinern und den Bayern unterboten. Nützt also nichts: Selbst der günstige Preis dieser Brillant-Veröffentlichung des EMI-Materials wiegt die Defizite nicht auf.

04.03.2006



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