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Frédéric Chopin, Franz Liszt, Ludwig van Beethoven u.a.

Ballade g-Moll, Scherzo cis-Moll, Klavierkonzert Nr. 1, Sonate op. 10/3 u.a.

Claudio Arrau

Music & Arts/Note 1 0 17685 10602 6
(123 Min., 1929 - 1939) 2 CDs

Wer nur den späten, "klassischen" Arrau kennt, wird sicherlich überrascht sein über die erregende Rasanz seiner frühen Aufnahme. Eins jedoch war Arrau auch damals: ein Perfektionist, der sich nicht in Situationen brachte, die er nicht kontrollieren konnte.
Das Programm dieser Doppel-CD dokumentiert eindrucksvoll Arraus vollkommene, beherrschte Virtuosität Mitte der dreißiger Jahre. Damals hatte er in Deutschland den Durchbruch geschafft. Chopins cis-Moll-Scherzo oder die g-Moll-Ballade sind makellos gespielt und voll männlicher Kraft. Dieses souveräne Virtuosentum mutet uns heute so modern an, weil es sich keine Form spektakulärer Selbstdarstellung erlaubt, kein Schnörkelchen, kein Rubato. Den Menschen damals muss dieser Glanz etwas kalt erschienen sein – wenn es denn Zeit zum Atmen hatte: Das erste Liszt-Konzert ist eine wilde Jagd. Der junge Arrau rast dem Orchester wie ein schwer zu bändigender Jagdhund einfach weg. Fulminant.
Auf der anderen Seite steht die absolut nüchterne, karge Ernsthaftigkeit von Arraus Beethoven. Schon den Kopfsatz von op. 10/3 nimmt er geschwind, aber mit schneidender Strenge, und das Largo ist vielleicht ebenso eindrucksvoll wie in seiner späteren Aufnahme. Weniger grübelnd und abgeklärt, aber eisiger, trostloser noch begreift er diesen tiefsten langsamen Satz des frühen Beethoven. So fassettenreich sich seine Kunst zwischen hypervirtuoser Kür und Largo-Ernst bewegt, es ist schon der ganze Arrau, werkergeben, etwas nüchtern und selten lächelnd bei seiner bedeutenden Arbeit.

Matthias Kornemann, 19.09.2000



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