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Anneliese Rothenberger - Ein musikalisches Porträt

Anneliese Rothenberger

Laserlight Classics/Delta 14 783
(88 Min., 1951 - 1969) 2 CDs

Zugegeben, vieles in diesem "Musikalischen Porträt" nähert sich der Folter, vor allem einige Aufnahmen Ende der fünfziger Jahre und der Sechziger, worin die Stimme von künstlichem Hall so verklebt ist wie die Frisur von damaligem Dreiwettertaft. Aber gottlob hat’s auch einige Aufnahmen aus den frühen Fünfzigern, die zeigen, was für eine wunderbare Sängerin Anneliese Rothenberger mal war.
Erstaunlich, dass sie die Eliza aus „My Fair Lady“ zu glatt (und allerdings auch hallgesoßt) abspult, obwohl man ihr die zugetraut hätte. Dagegen ihre Bess von 1951 (aus Gershwins Oper „Porgy and Bess“), die man ihr nicht zugetraut hätte, zumal im Duo mit dem tatsächlichen Afro-Amerikaner Lawrence Winters: „Bess, You Is My Woman Now“ hat bei Winters zutreffend raue Tongebung, und die Rothenberger klingt zwar femininer „gerundet“, aber nicht weniger idiomatisch (auf Englisch, was damals völlig unüblich war hierzulande!). Außerdem jongliert sie geradezu himmlisch mit glockenreinen, substanzreichen Höhen, als wär’s nichts. Da breitet man über manch zäh fließende Nierentisch-Neckerei gerne den Mantel der Nächstenliebe.
Die zweite CD ist nicht nur dem Operetten-Duett mit Rudolf Schock gewidmet, sondern auch „Seriöserem“. Da hört man, dass auch der Rothenberger-Kollege und spätere Schicksalsgenosse (Dreiwettertaft, hallbegossener Pudel) mal ein toller Sänger war ... und dass die Rothenberger, von deren Pamina in der „Zauberflöte“ man vielleicht hat sagen hören, oder von ihrer Gretel in „Hänsel und Gretel“, auch ein kerniger, pubertär-verwirrter und überhaupt nicht „glatter“ Cherubino in Mozarts „Figaro“ sein konnte (jetzt allerdings auf Deutsch).
Höhepunkte hier: die Duette aus der „Lustigen Witwe“, Rothenberger als Valencienne, Schock als Danilo. Das einzige, was all diesen Aufnahmen leidvoll gemeinsam ist: Die Stimme wird, überlebensgroß, so herausgemeißelt, dass alles andere nur noch Staffage sein kann. Aber das bleibt nun mal die Ästhetik von vorgestern.

Thomas Rübenacker, 12.07.2001



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