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Diverse

Maria Callas - Die ersten offiziellen Aufnahmen

Maria Callas, Antonio Votto, Gabriele Santini, Sinfonieorchester der RAI Turin, Arturo Basile

Warner Fonit 0 685738 224128
(48 Min., 1949 - 1953) 1 CD

Man muss die hypnotischen Fähigkeiten der Maria Callas nicht mehr anpreisen. Wenn Warner Fonit nun Ausschnitte aus den ersten offiziellen Studio-Aufnahmen der fünfundzwanzigjährigen Callas aus den Jahren 1949 bis 1953 auf den Markt bringt, dann genügt natürlich schon ihr Name für den Zugriff.
Nicht für die Fangemeinde, wohl aber für den Normalhörer stellt sich gleichwohl die Frage: lohnt sich diese Wiederveröffentlichung? Bedingt. Vergleichsweise miserabel sind die Tonqualitäten der römischen Nachkriegsstudios. Und die Auszugshappen sind im Textheft - wie gewöhnlich bei italienischen Wiederveröffentlichungen - lieb- und kontextlos im Originaltext aneinandergereiht, so dass klar wird: die Oper selbst ist nur Mittel zum Zweck, der da heißt: Callas.
Bei den "Belcanto"-Beispielen Bellinis und Ponchiellis, in denen die Interpretationen der Callas Maßstäbe gesetzt haben, mag die Rechnung aufgehen, nicht aber bei Wagners "Isoldes Liebestod". Kurios, diese italienisch-sprachige "Isotta"; kurios das "unsaubere" Ansingen der Töne und das exzessive Tremolo. Während Birgit Nilsson (zum Vergleich) mit ihrem hellen, sphärischen Timbre Isolde über ihr Ableben hinaus quasi transzendiert, versenkt sie Callas ins dunkel timbrierte Reich des Todes.
Was bei Wagner stört, das macht bei den Italienern süchtig. Ihre Paraderolle, Bellinis "Norma" mit "Casta diva", hat die Callas in dieser ihrer ersten Aufnahme bereits vollständig parat: Belcanto-Verzierungen vom feinsten, eine wunderbar schwebende Mezzavoce und kaum noch zu steigernde dramatische Fassetten (allenfalls die Höhen scheinen noch nicht so gefestigt wie in den späten fünfziger Jahren). Eine Entdeckung ist die "Gioconda" von 1952. Noch mehr als in der Scala-Gesamtaufnahme von 1959 staunt man hier über die Gewalt von Callas' Brustregister: als Mann wird einem Angst und Bange bei einer derart kraft- und willenstrotzenden Eifersuchtsbekundung "Vinsi l'infausta - gelosa febre!"
In ihrer "Traviata" von 1953 scheint die Callas schließlich die Mikrofone überfordert zu haben: sie beginnen zu scheppern ob der metallenen Härte der explosiven Spitzentöne. Da sieht man denn auch über die winzige (Angst-?) Pause vor dem hohen Es hinweg.

Christoph Braun, 09.08.2001



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