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Wladimir Horowitz – A Reminiscence

Vladimir Horowitz

Sony SK 89669
(62 Min., 1962 - 1973) 1 CD

Eine "verbesserte Tonqualität" preist ein goldenes Etikettchen auf dieser Horowitz-Reminiszenz an. Das sollte indes nicht der Kaufgrund sein. Immer noch klingen diese Aufnahmen so gut, wie sie eben sind und waren, und immer noch hört man manche Schnittstelle so schön deutlich wie im elften Takt des „Regentropfen-Préludes“. Es ist doch ganz beruhigend, das diese Baunähte noch immer nicht digital wegretuschierbar sind.
Aus einem anderen Grunde aber ist diese Kompilation fesselnd. Sie dokumentiert eine Phase stilistischer Suche. Zwischen 1962 und 1974 war Horowitz von der RCA zur Konkurrenz CBS übergelaufen. Es war die gefährdete Zeit seines Rückzugs aus der Öffentlichkeit. Während niemand wusste, ob er jemals zurückkehren würde, erschienen nicht nur erstaunliche Platten wie das Scarlatti-Album, die damals keiner kaufte, es reifte auch Horowitz' Spätstil zarter, nervöser Nuancen und befreiter Vielstimmigkeit. Bei Chopin kam er, beobachtet man die Phrasierung der Linken im h-Moll-Präludium, der Manieriertheit recht nahe. Unaufhaltsam entwickeln die Stimmen und Klangschichten eigenes Leben, eigenen Puls.
Horowitz' Kunst, die Befreiung der Unterstimmen und die dekadent-überfeinerte Detailzeichnung im Diskant bis nah an die Grenze des Zerreißens zu führen und diese Innenspannung zu halten, gipfelt in den Skrjabin-Albumblättern und zwei späten Debussy-Préludes, "La Terrasse des Audiences" und "Bruyeres". Vor allem letzteres darf als ein einsamer Höhepunkt horowitzscher Miniaturkunst gelten. Diese auf alle Donner-Piècen verzichtende Kompilation zeigt, wie der sechzigjährige Pianist förmlich glühte in gespanntem, nervösem Expressionswillen.

Matthias Kornemann, 11.10.2001



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