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Alexander Skrjabin

Alle Klaviersonaten

Marc-André Hamelin

Hyperion/Koch CDA 67131/2
(146 Min.) 2 CDs

Der in Philadelphia lebende Franko-Kanadier Marc-André Hamelin ist die Pianisten-Entdeckung der letzten Jahre: Bei ihm scheut man sich nicht, von einer Klavier-Sensation oder einem Jahrhundert-Phänomen zu sprechen, denn ihm gebührt derzeit die Krone des glänzendsten Technikers und eines mit magischen Kräften ausgestatteten Klang-Ästheten: Darum ist es wohl kein Zufall, dass der heute Fünfunddreißigjährige seine ersten Schallplatten bei seinem neuen Exklusiv-Label Hyperion den wirklich unspielbaren Virtuosen-Stücken des vergessenen französischen Klavier-Exzentrikers Charles-Valentin Alkan (1813-1888) widmete, und damit zugleich seine besondere Vorliebe für die Freaks, für die Außenseiter der Virtuosenliteratur, unterstrich.
Nun hat der bescheidene Hyper-Virtuose mit der Attacke eines Horowitz, dem Klangsinn eines Pogorelich und der Leidenschaft eines Cziffra auf einen Schlag die zehn Klaviersonaten (plus zwei Fantasien) des russischen Klavier-Neuerers und Klang-Ekstatikers Alexander Skrjabin vorgelegt, und damit erneut seinen unglaublichen pianistischen Reifegrad eindrucksvoll unter Beweis gestellt: So natürlich-fließend und sinnlich, so körperhaft und zugleich schwebend metaphysisch, so raffiniert ausgehört und zugleich kompakt-energisch hat man diese Meisterwerke eines transzendierenden, alles auflösenden Klangbegriffs noch nicht zu hören bekommen, und Hamelin kann es sich leisten, bis an die Grenzen des puren Wohllauts zu gehen: Dorthin, wo alle Technik vom Klang abfällt, wo sich alle manuellen Schwierigkeiten in sinnlich-dunkle Farbenpracht, in den ekstatischen Klang, auflösen: Nur wenigen ist es vorbehalten, so weit in die Geheimnisse des Klavierspiels vorzudringen, dass sich Schwerelosigkeit und hermetische Form einstellen. Die Klavierjury des "Preises der deutschen Schallplattenkritik" hat in ihrer Vierteljahresliste reagiert.

Attila Csampai, 01.04.1996



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