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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 7 und Nr. 8

Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman

Arte Nova 74321 56341 2
(60 Min., 12/1997) 1 CD, DDD

Schon die erste Folge von David Zinmans neuem Zürcher Beethoven-Zyklus (mit den populären Geschwisterwerken der Fünften und Sechsten) war eine kleine Sensation und ließ die Skepsis vieler Kritiker-Kollegen ob einer solchen Katalogbereicherung im Nu verschwinden.
Jetzt hat Zinman das seltsam ungleiche Paar der rhythmisch exzessiven Siebenten und der doppelbödig-ironischen Achten folgen lassen. Und wieder ist es dem ehrgeizigen amerikanischen Tonhallen-Chef gelungen, sich (mit einem Niedrigpreis-Produkt) nicht nur gegenüber der übermächtigen Katalog-Konkurrenz zu behaupten, sondern in der aktuellen, durch radikale "Historisten" wie Gardiner, Brüggen oder Norrington neu belebten Beethoven-Diskussion eine ganz eigene, quicklebendig moderne und doch historisch sensible Deutung in die Waagschale zu werfen, die es mit jedem der genannten "Originalklang"-Referenzen aufnehmen kann.
Auch diesmal kombiniert Zinman die Vorzüge traditioneller dramatisch-geschärfter und schroffer Beethoven-Lesarten (im Sinne Toscaninis oder de Sabatas) mit der stechenden Attacke und dem motorischen Drive eines John Eliot Gardiner zu einem unglaublich spannenden, gestisch durchgeformten, dabei stets luftig-lockeren Klanggeschehen, das den neuen Geist des Originalklangs optimal auf ein modernes Orchester überträgt. Und das wichtigste: Zinmans Beethovens schwitzt nicht. Das hervorragend präparierte Tonhalle-Orchester gestattet Zinman sogar rekordverdächtige Tempi, die aber infolge kammermusikalischer Präzision und Diskretion nie verhetzt wirken oder in die Gefahrenzone des Nur-Effektvollen geraten.
An manchen Stellen (so im Schlußsatz der Siebenten) wünschte ich mir zwar mehr Beethovensche Grimmigkeit und weniger amerikanische Nonchalance, aber die Schweizer Präzisionsmechaniker im Orchester garantieren für ausreichende Bodenhaftung und treffen jenen nervig geladenen, optimistisch erregten Ton, der ein ganzes Jahrhundert und noch mehr für die Idee des Sinfonischen in seinen Bann schlug und bis heute nicht losgelassen hat. Ein wunderbarer Einsteig in Beethovens Wunderwelt für Klassik-Neulinge und ebenso für Übersättigte und echte Enthusiasten.

Attila Csampai, 01.03.1998



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