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Antonio Soler, Luigi Boccherini, Felix Maximo López u.a.

Variaciones del Fandango español

Andreas Staier, Christine Schornsheim, Adela Gonzáles Cámpa

Teldec/Warner Classics 3984-21468-2
(65 Min., 6/1998) 1 CD, DDD

Dem derzeit boomenden Genre der Themen-CD - einer zumindest zeitweise wirksamen Wunderwaffe gegen Beliebigkeit und unendliche Wiederholungs-Mechanismen auf dem Klassik-Markt - fügt Andreas Staier hier ein weiteres Kapitel hinzu. Aber was für eines!
Mit einer akribisch-trockenen Materialsammlung zum Thema "Der Fandango in der Musikgeschichte" haben seine "Variaciones del Fandango español" schon deshalb nichts zu tun, weil die CD nur drei wirkliche Fandango-Kompositionen enthält (von Antonio Soler, Félix Máximo López und Luigi Boccherini). Sie alle stehen, wie es üblich ist, in d-Moll - und mehr in dieser Tonart, argumentiert Staier im Beiheft, ertrüge er nicht. Dennoch ist es der rhythmische Scfhwung des Fandango, der die ganze Aufnahme mit quirligem, pulsierendem, packendem Leben füllt.
Andreas Staier erweist sich erneut als einer der vitalsten Interpreten, die derzeit den Acker der Alten Musik umpflügen. Bereits das erste Stück, Solers weiträumig gesponnener Fandango, durchfegt Staier wie ein Hurrikan (dessen ruhendes, Sturm-umtostes Auge bleibt, wie man aus Konzerten weiß und bewundern muß, stets ausschließlich der Pianist selbst): enorm fingerflink, hochvirtuos, mit weichen, wendigen Binnentempi und einem Temperament, das man dem sonst eher ruhig und gelassen wirkenden Staier ohne weiteres nicht zugetraut hätte. Und das nebenbei auch das Vorurteil vom stählern-starren Charakter des Cembalos Lügen straft.
Staier spielt das Cembalo nicht nur, sondern durchlebt und durchbebt es; von den hier allgegenwärtigen gitarristischen "Rasgueado"-Akkordschlägen bis hin zu feinsten dynamischen (oder besser: Registrierungs-)Nuancen und klangfarblichen Abtönungen (Lautenzug!) treibt er sein Instrument weit über den trockenen Akademismus hinaus, den man gemeinhin mit ihm verbindet. Das macht, daß - nach allerlei Spanisch-Klassischem vor allem des späten 18. Jahrhunderts - selbst die Bearbeitung des Fandango-Satzes aus Boccherinis viertem Gitarrenquintett für zwei Cembali (das zweite spielt Christine Schornsheim, die Kastagnetten Adela Gonzáles Cámpa) gegenüber dem Original wie eine überaus originelle Alternative wirkt.

Susanne Benda, 01.02.1999



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