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N° 1220
25.09. - 01.10.2021

nächste Aktualisierung
am 02.10.2021



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Franz Liszt

Ungarische Rhapsodien Nrn. 2, 6, 9, 12 - 15

György Cziffra

EMI 5 56228 2
(60 Min., 1974, 1975) 1 CD, ADD, aufgenommen in Paris

Wer die wüste Fingerakrobatik des Petersburger Klavierdonnerers Arkadij Volodos für den Gipfel der Virtuosität hält, der sollte sich schleunigst diese leider nur sechzig Minuten lange klingende Erinnerung der französischen EMI an einen der wenigen echten, originären Klaviervirtuosen des Jahrhunderts besorgen: an den 1994 in seiner Wahlheimat Paris verstorbenen, von der Welt zuletzt fast vergessenen, ungarischen Klavierdämonen György Cziffra.
Cziffra, der 1921 in Budapest zur Welt kam, war schon in seinen Jugendjahren der wildeste und unbezähmbarste Individualist auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs; für seine Aufsässigkeit schickten ihn die Stalinisten sogar jahrelang ins Zuchthaus. Nach seiner abenteuerlichen Flucht aus Ungarn während des 56er-Revolution eroberte er Paris im Sturm und teilte fortan die westeuropäischen Kritiker in zwei Lager. In Deutschland überwogen die erbsenzählenden Beckmesser. Cziffra war der unübertroffene Hexenmeister der diabolischen Verzauberung, der messerscharfen virtuosen Ausschmückung, der triumphalen Ad-hoc-Paraphrase — ob er sich nun strikt an den Notentext hielt oder nicht —, und Liszts Klavierkosmos war ein Wesensbestandteil seiner eigenen künstlerischen Existenz.
Keiner spielte Liszts Ungarische Rhapsodien so heftig, so heroisch, so messerscharf und abgründig wie Cziffra und niemand konnte seine tiefe Seelenverwandschaft mit der ungarischen Zigeunermusik so drastisch und suggestiv Ausdruck verleihen wie dieses urmusikalische Klavier-Medium. Leider hat die EMI jetzt nur sieben der fünfzehn Rhapsodien in Cziffras hinreißender Stereo-Version aus den Jahren 1974-75 auf eine CD gepresst, aber es reicht aus, um Cziffras Einzigartigkeit in ihrer pianistischen Vehemenz und in ihrem klanglichen Furor wieder lebendig werden zu lassen: allen falschen Propheten von heute zur Abschreckung. Cziffra lehrte uns, dass Virtuosität in erster Linie mit Persönlichkeit zu tun hat und dass wahre Leidenschaft durch nichts zu ersetzen ist.

Attila Csampai, 01.05.1997



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